Kennzahlen des Berichtsmonats Januar 2026 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt
Nach zwei Jahren Rezession und einer knapp vermiedenen dritten Schrumpfung mehren sich Anfang 2026 die Zeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung. Das BIP legte 2025 um 0,2 % zu, und führende Indikatoren deuten auf ein Ende der Talfahrt hin. Die Inflation im Euroraum sank im Januar auf 1,7 %, die Industrieproduktion stieg zum Jahresende leicht.
Die Geldpolitik konnte ihren Straffungskurs beenden, und die EZB hält die Zinsen konstant. Unternehmen erhalten dadurch Planungssicherheit, die Finanzierungskosten stabilisieren sich. Die Binnennachfrage erholt sich vorsichtig, gestützt durch steigende Reallöhne und staatliche Entlastungen. Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt angespannt: Die Arbeitslosenzahl überschritt im Januar erstmals seit 2014 die Marke von 3 Mio. Die Industrieproduktion zog zum Jahresende leicht an – vor allem Auto- und Maschinenbau legten zu. Trotz Rückschlägen bleibt die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung, auch durch steigende öffentliche Investitionen.
Energiepreise haben sich merklich entspannt. Die Gasspeicherumlage entfiel, Netzentgelte sanken, ein Industriestrompreis entlastet Firmen. Zugleich bleibt das Energiekostenniveau hoch – die energieintensive Industrie kämpft weiterhin mit Wettbewerbsnachteilen. Im Außenhandel brachte der Dezember ein starkes Exportplus, getragen von der Nachfrage aus der EU. Rückgänge in den USA und China bleiben jedoch spürbar. Der Handelsüberschuss sank, der starke Euro belastet zusätzlich.
Die geopolitische Lage bleibt fragil: Der Ukrainekrieg dauert an, transatlantische Beziehungen sind belastet, Handelskonflikte nehmen zu. China tritt zunehmend als strategischer Wettbewerber auf. Gleichzeitig beschleunigt sich der technologische Wandel. KI hält Einzug in viele Betriebe – 78 % der Anwender nutzen generative Modelle. Unternehmen erwarten Produktivitätszuwächse, sehen aber auch Fachkräftemangel als Hürde. Geld- und Fiskalpolitik setzen 2026 auf Stabilisierung und Impulse. Die EZB belässt die Zinsen bei 2 %, die Bundesregierung investiert mit Rekordhaushalt und Sondervermögen in Infrastruktur, Digitalisierung und Klimaschutz. Steuerliche Anreize sollen private Investitionen anstoßen. Die Schuldenbremse bleibt formell gewahrt, doch mittelfristig steigt der Konsolidierungsdruck. Entscheidend ist, ob die Investitionen produktives Potenzial heben.
"In der Krise beweist sich der Charakter!”
Helmut Schmidt
Deutschland befindet sich Anfang 2026 in einer Phase vorsichtiger Stabilisierung und Transformation. Für die Personalberatung eröffnen sich neue Chancen: Unternehmen suchen Führungskräfte mit Resilienz, strategischem Weitblick und Innovationskraft. Besonders gefragt sind Fähigkeiten im Change-Management, geopolitischer Kompetenz und digitalem Leadership. Wer Orientierung bietet, Wandel gestaltet und Teams durch unsichere Zeiten führt, wird zum entscheidenden Faktor im Aufbruch.
Notable Changes
Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.
Prof. Dr. Uwe Bücheler ad interim
Bei Rentschler Biopharma SE (deutsches Biopharma-CDMO) wurde CEO Benedikt von Braunmühl mit sofortiger Wirkung abberufen. Prof. Dr. Uwe Bücheler, bislang stellvertretender Aufsichtsrats-vorsitzender, übernahm interimistisch die Rolle des Chief Executive Officers.
Hein Schumacher
wird zum neuen Chief Executive Officer der Barry Callebaut AG (Schweizer Schokoladen- und Kakaoproduzent) ernannt. Er folgt am 26. Januar 2026 auf Peter Feld, der das Unternehmen verlässt.
Kylie Jimenez
Wird Mitglied des Vorstands der BioNTech SE (Mainz) als Chief People Officer (Personalvorständin). Diese neu geschaffene Position übernimmt sie zum 1. März 2026.
Frank Sluis
Wechsel zum On Holding AG Executive Team als Chief Financial Officer, wirksam zum 1. Mai 2026. Sluis kommt von Ahold Delhaize und übernimmt die CFO-Rolle bei On (“On Running”) von Martin Hoffmann, der seit dem Vorjahr in Doppelfunktion CEO/CFO tätig war.
Christoph Lüthe
Wird spätestens zum 1. April 2026 neuer Chief Executive Officer (CEO) und Vorstandsvorsitzender der Tele Columbus AG (von der vitronet Gruppe kommend).
Bernhard Gierke
Zum 1. Februar 2026 zum neuen Vorstandsvorsitzenden (CEO) der clearvise AG berufen; er folgt auf Petra Leue-Bahns, die planmäßig zum 28. Februar 2026 aus dem Unternehmen ausscheidet. Gierke war zuletzt Director bei Aquila Capital.
Peter Zils
Markus Hendrich ist mit Wirkung zum 2. Februar 2026 vorzeitig als CEO der ecotel communication ag aus dem Vorstand ausgeschieden. Der Gründer des Unternehmens, Peter Zils, zugleich stell-vertretender Aufsichtsratsvorsitzender, übernimmt ab 3. Februar 2026 interimsweise den Vorstandsvorsitz.
Economy & Politics
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt auch zu Jahresbeginn 2026 angespannt. Der private Konsum zeigt erste Anzeichen der Stabilisierung, bleibt jedoch schwankend: Zwar verzeichnete der Einzelhandel im Januar ein leichtes Umsatzplus gegenüber dem Vormonat, doch viele Haushalte halten sich weiterhin mit größeren Anschaffungen zurück. Die Erholung bei den Reallöhnen wirkt noch verzögert, die Sparneigung bleibt hoch – was sich besonders im stationären Handel und im Gastgewerbe bemerkbar macht.
Die Bauwirtschaft bleibt ein Sorgenkind. Trotz der Anfang Januar in Kraft getretenen staatlichen Zinszuschüsse für den sozialen Wohnungsbau ist von einer spürbaren Belebung noch wenig zu sehen. Die Zahl der Baugenehmigungen liegt deutlich unter dem Vorjahreswert, Investoren zögern angesichts anhaltend hoher Baukosten und regulatorischer Unsicherheiten. Im Industriesektor hellte sich das Stimmungsbild leicht auf: Die Produktion stieg im Maschinenbau und in der Chemiebranche leicht an. Allerdings bleiben Exportaufträge aus den USA und Asien schwach, was auch im Februar das Wachstum dämpfen dürfte. Die Inflationsrate sank im Januar 2026 auf 1,6 %, getrieben durch anhaltend rückläufige Energiepreise und rückläufige Lebensmittelkosten. Die Kerninflation verharrte hingegen bei etwa 2,1 % – getrieben durch Dienstleistungen und Gesundheitsausgaben. Die EZB bestätigte Mitte Januar ihren Zinssatz von 2,0 %, stellte aber erste Senkungen für das Frühjahr in Aussicht. Damit stabilisieren sich auch die Finanzierungskosten für Unternehmen, was Investitionen tendenziell begünstigt. Dennoch bleibt die Kreditvergabe im Mittelstand verhalten – viele Unternehmen priorisieren Liquiditätssicherung und Risikomanagement.
Auf politischer Ebene sorgt der Anfang Januar vorgestellte Konsolidierungsplan der Bundesregierung für Gesprächsstoff. Geplante Kürzungen bei Förderprogrammen und Subventionen stoßen in Teilen der Wirtschaft auf Kritik, auch wenn der neu aufgesetzte „Transformationsfonds Mittelstand“ mit steuerlichen Anreizen punktet. Die Schuldenbremse bleibt zugleich ein Bremsklotz für öffentliche Investitionen. Auf EU-Ebene treten Anfang Februar neue Berichtspflichten im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Kraft. Damit beginnt für viele Mittelständler erstmals eine umfassende ESG-Offenlegungspflicht, die strategisch vorbereitet werden muss.
Executive Search Background
Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.
- Erstmals weniger Frauen in Vorstandspositionen: 2025 sank der Frauenanteil in den Vorständen deutscher Großunternehmen erstmals seit einem Jahrzehnt leicht. Dies markiert einen überraschenden Rückschritt in der Diversitätsentwicklung auf Top-Ebene.
- Familienunternehmen öffnen sich für externe Top-Manager: Eine aktuelle Studie offenbart gravierende Führungsdefizite (mangelnde Diversität, kaum internationale Erfahrung) in großen Familienunternehmen. Der Druck steigt, vermehrt externe Manager mit frischen Perspektiven in Spitzenpositionen zu holen, um diese Lücken zu schließen.
- Nachfrageschub für private Equity und Chemie: Executive-Search-Firmen verzeichnen Anfang 2026 besonders viele Suchmandate im Private-Equity- und Venture-Capital-Sektor sowie in der Chemie- und IT/Telekom-Branche. Diese Bereiche wachsen entgegen dem allgemeinen Trend und beleben das Headhunter-Geschäft trotz sonstiger Marktflaute.
- Neue C-Level Rollen für KI und Tech: Unternehmen schaffen vermehrt Führungspositionen rund um Künstliche Intelligenz und digitale Transformation (z. B. erstmals Chief AI Officer). Top-Manager mit ausgewiesener Technologie- und Datenkompetenz sind so gefragt wie nie, da KI-Projekte zur Chefsache werden.
- ESG und Kulturagenda auf Eis: In der angespannten Wirtschaftslage treten weiche Themen wie Mitarbeiterwohl, Nachhaltigkeit und Diversität im Top-Management zurück. Neue Vorstandsposten für solche „Nice-to-have“-Agenden sind selten; stattdessen gewinnen krisenerprobte Sanierungs- und Transformationsexperten bei Neubesetzungen an Bedeutung.
- KI gestützte Suche: Headhunter setzen zunehmend auf KI-Tools und Big Data, um Kandidaten schneller und passgenauer zu identifizieren. Gleichzeitig erzwingen neue Regulierungen (etwa der EU AI Act) höhere ethische und datenschutzrechtliche Standards im Suchprozess, was die Branche professionalisiert.
- Kulturelle Passung vor blankem Lebenslauf: Bei Besetzungen von Spitzenjobs legen Unternehmen 2026 beispiellos hohen Wert auf Cultural Fit und Diversity. Kandidaten ohne Werte-Alignment oder vielfältigen Hintergrund haben – selbst bei Top-Qualifikationen – deutlich schlechtere Karten im Auswahlprozess.
- Transparenz auf der Top-Etage: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie zwingt Arbeitgeber, Gehaltsspannen künftig auch für Führungspositionen offen zu kommunizieren. Das bisher diskrete Aushandeln von Vorstandsgehältern wird dadurch aufgebrochen und verändert die Spielregeln im Executive Search hin zu mehr Offenheit.
- Sinkende Verweildauer im Chefsessel: Aufsichtsräte greifen bei unterperformenden Vorständen schneller durch als früher. Die Amtszeiten von CEOs verkürzen sich weiter, weshalb Unternehmen ihre Nachfolgeplanung beschleunigen und stets geeignete interne oder externe Nachrückkandidaten bereithalten.
- Kompletter Austausch ganzer Führungsteams: Statt einzelne Posten zu ersetzen, erneuern einige Unternehmen gleich das gesamte Top-Management in einem Schritt. Solche radikalen Umbesetzungen markieren einen klaren Neuanfang und brechen alte Führungsstrukturen schlagartig auf