Kennzahlen des Berichtsmonats Dezember 2025 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt
Nach einer langen Flaute zeigen aktuelle Indikatoren zum Jahreswechsel eine leichte Stabilisierung. Die Wirtschaftsleistung bewegt sich zwar weiterhin nahe der Stagnation, doch scheint die Talsohle durchschritten: Im Schlussquartal 2025 gab es voraussichtlich ein kleines Plus.
Auch die Industrieproduktion und Auftragseingänge haben im Herbst angezogen. Ein durchgreifender Aufschwung lässt noch auf sich warten – Stimmungs- und Konsumindikatoren bleiben gedämpft –, aber der Abwärtstrend ist vorerst gestoppt.
Doch die Konjunktur steht im Spannungsfeld widersprüchlicher Einflüsse. Extern dämpfen schwache Auslandsmärkte und ein Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit das Wachstum. Besonders die Nachfrage aus China – einst verlässlicher Wachstumsmotor – hat infolge dortiger Probleme und merkantilistischer Tendenzen merklich nachgelassen. Gleichzeitig belasten Handelskonflikte und geopolitische Risiken die exportorientierte Industrie. Positiv wirkt dagegen die allmähliche Belebung der Binnenwirtschaft. Der private Konsum, im dritten Quartal 2025 erstmals seit zwei Jahren rückläufig, könnte dank sinkender Inflation und spürbarer Lohnzuwächse wieder zulegen. Die Entlastung bei Energiepreisen stärkt zusätzlich die Kaufkraft der Haushalte. Öffentliche Investitionen und staatliche Impulse fangen einen Teil der externen Schwäche ab und stützen die Binnenkonjunktur.
Die Geld- und Fiskalpolitik sorgt derweil für Stabilisierung. Die Europäische Zentralbank hat nach den deutlichen Zinserhöhungen der Vorjahre eine Pause eingelegt. Da die Teuerung zurück in der Nähe des 2%-Ziels ist, bleiben die Leitzinsen vorerst unverändert. Dies verschafft Unternehmen Planungssicherheit, und die Finanzierungskosten haben sich gegenüber dem Zinsgipfel bereits etwas entspannt. Zugleich setzt die Bundesregierung trotz haushaltspolitischer Zwänge auf Zukunftsinvestitionen. Im Bundeshaushalt 2026 werden Rekordsummen für Infrastruktur, Klimaschutz, Digitalisierung, Bildung und Sicherheit bereitgestellt – im Rahmen der durch die Schuldenbremse begrenzten Möglichkeiten. Diese Investitionsoffensive soll das Fundament für künftiges Wachstum stärken. Zudem sollen steuerliche Anreize (z.B. erleichterte Abschreibungen, erweiterte FuE-Förderung) private Investitionen ankurbeln. Konstruktiv-kritisch bleibt festzuhalten, dass weitere Reformen nötig sind, um den Investitionsstau der vergangenen Jahre aufzulösen und das Produktivitätswachstum zu beleben.
"Die größte Gefahr in Zeiten der Turbulenz ist nicht die Turbulenz selbst, sondern mit der Logik von gestern zu handeln."
Peter Drucker
Das weltwirtschaftliche Umfeld ist durchwachsen. Die USA wachsen weiter moderat und haben bisher eine Rezession vermieden. Der Krieg in der Ukraine, die neuen geopolitische Realitäten in Lateinamerika, neue Eskalationen im arabischen Raum halten geopolitische Risiken hoch, Europa hat seine Energieversorgung diversifiziert, jedoch neue starke Abhängigkeiten geschaffen, zu einem Partner (USA), der selbst in auf neuer Sinnsuche ist. Energiepreise haben sich zwar von den Spitzen 2022 normalisiert, bleiben aber hoch, wenngleich mit einer Preissenkung im Ölbereich zu rechnen ist. Insgesamt dürfte die Weltwirtschaft 2026 nur verhalten wachsen. Angesichts globaler Spannungen sind von der Außenhandelsseite kaum Wachstumsimpulse zu erwarten – die deutsche Konjunktur muss sich vor allem auf ihre Binnenstärken und ihre technologische Innovationskraft im Mittelstand stützen.
Dabei steckt Deutschland mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Bei der Digitalisierung besteht weiterhin Aufholbedarf. Zwar investieren viele Firmen in Automatisierung, KI und digitale Geschäftsmodelle, doch bremsen Bürokratie und Fachkräftemangel oft das Tempo. Weiterhin sind neue Führungsqualitäten gefordert. Digitale Kompetenz ist unerlässlich, um die Chancen von KI und Automatisierung zu nutzen. Ein Gespür für Geopolitik und Verantwortung für die eigenen Angestellten in einer komplexen Welt ist unerlässlich; die Welt wird nicht enftlechtet, sondern neu geordnet. Genau über diesen Wandel, den man als “Precision Globalisation” beschreiben könnte, handelt unser Beitrag “The Rise of Precision Globalization And What it Means For Executives” im Forbes vom 26.12.2025. Das Jahr 2026 verspricht ein Jahr im Umbruch zu bleiben.
Bis zum nächsten Update wünschen wir allen Lesern einen guten Einstieg ins Neue Jahr!
Notable Changes
Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.
Christoph Jurecka
Finanzvorstand rückt zum 1. Januar 2026 an die Konzernspitze der Munich Re und übernimmt den Vorstandsvorsitz von Joachim Wenning (60), der in den Ruhestand tritt.
Waldemar Kamlowski
(vermittelt durch Kempkens x Kohler)
tritt im Mai 2026 in die Geschäftsführung beim mittelständischen Traditionsunternehmen und Glasspezialisten RASTAL ein. Er wird in seiner zukünftigen Rolle einen verstärkten Fokus auf das operative Geschäft legen.
Christian Kötz
folgt auf Nikolai Setzer bei der Continentale, der nach fünf Jahren an der Spitze ausscheidet. Der Wechsel fällt in eine Phase tiefgreifender Transformation beim 150 Jahre alten Traditionsunternehmen.
Ahmed Al-Sayed
(vermittelt durch Kempkens x Kohler)
folgt auf David Novotny als interimistischer Business Unit Leiter Deutschland des französischen Pharma- und Beautykonzerns NAOS.
Christophe Jéhan
Anfang Januar 2026 hat Christophe Jéhan den Vorstandsvorsitz der Oldenburgischen Landesbank (OLB) übernommen und löst damit Stefan Barth ab, der die Regionalbank fünf Jahre lang leitete. Jéhan war zuvor stellvertretender CEO der Düsseldorfer Targobank und verfügt über 25 Jahre Bankerfahrung · Finance-Magazin vom 06.01.2026
Ronny Meyer
übernimmt zum 1. Januar 2026 das Ruder der Deutsche Windtechnik AG von Matthias Brandt, der nach rund 20 Jahren in der Unternehmensleitung kürzertritt und bis Ende März eine geordnete Übergabe begleitet.
Jessica R’bibo
(vermittelt durch Kempkens x Kohler)
übernimmt als President Canada, die Geschäftsführung der kanadischen Landesgesellschaft des Bodelshausener Traditionsunternhemens Marc Cain ab dem 12.01.2026.
Economy & Politics
Die deutsche Wirtschaft bleibt zum Jahreswechsel 2025/26 fragil. Vor allem die Binnenkonjunktur lahmt: Konsumfreude fehlt trotz steigender Löhne. Das Weihnachtsgeschäft brachte kaum realen Zuwachs, das Konsumklima bleibt gedrückt. Viele Haushalte sparen angesichts der vergangenen Teuerung und hoher Zinsen, was Handel und Dienstleistern zusetzt.
Auch die Bauwirtschaft steckt in der Krise: Hohe Finanzierungskosten lassen Wohnungsbauprojekte reihenweise scheitern, die Fertigstellungen bleiben weit unter dem Bedarf. Eine von der Regierung geschnürte Bau-Initiative mit Kredithilfen soll gegensteuern, wird aber kurzfristig wenig ändern.
Die Industrie sendet gemischte Signale. Zwar zog die Produktion im Herbst 2025 in Auto- und Maschinenbau etwas an, doch insgesamt bleibt das Niveau deutlich unter Vorkrisenniveau. Extern belasten schwache Exporte: 2025 stagnierte der Ausfuhrwert nahezu. Insbesondere in die USA gingen die Exporte wegen nachlassender Nachfrage und Handelskonflikten stark zurück, und auch nach China sanken sie zweistellig – China rutschte erstmals seit 2010 aus den Top-5-Exportmärkten. Zugleich wuchsen die Importe stärker, wodurch der Handelsüberschuss auf den niedrigsten Stand seit 2012 sank. Erfreulich ist der deutliche Rückgang der Inflation. Im Dezember 2025 lag die Teuerungsrate nur noch bei etwa 1,8 %, im Jahresmittel bei 2,2 %. Sinkende Energie- und Rohstoffkosten ermöglichten diesen Trend, wenngleich die Kerninflation mit über 2 % noch erhöht bleibt (v.a. Dienstleistungen). Vor diesem Hintergrund hat die EZB ihren straffen Kurs beendet und seit Mitte 2024 die Leitzinsen vorsichtig gesenkt; zuletzt blieb der Einlagensatz im Dezember 2025 bei 2,0 %. Das Zinsniveau liegt damit zwar über der früheren Nullzins-Ära, doch die Finanzierungskosten stabilisieren sich.
Die Finanzpolitik steht weiter unter dem Eindruck des Karlsruher Haushaltsurteils. Nach dessen Vorgaben muss die Schuldenbremse strikt eingehalten werden. Die neue schwarz-rote Koalition hat den Bundeshaushalt 2026 mit Ausgabenkürzungen und begrenzter Neuverschuldung aufgestellt – größere staatliche Impulse bleiben aus. Stattdessen sollen indirekte Maßnahmen wirken: Ein „Deutschlandfonds“ soll private Investitionen anstoßen, und ab 2026 entlastet ein befristeter Industriestrompreis die energieintensive Industrie. Dennoch bleibt der fiskalische Kurs restriktiv, was öffentliche Investitionen bremst und den Reformdruck erhöht.
Auch regulatorisch kommt 2026 einiges auf die Unternehmen zu. Die EU weitet ihre Nachhaltigkeitsvorgaben aus: Nun werden auch mittlere Unternehmen von der neuen CSRD-Berichtspflicht zu ESG-Themen erfasst. Ebenso greifen erweiterte Sorgfaltspflichten in Lieferketten. Kurzfristig bedeutet dies höheren Aufwand und Kosten, langfristig aber mehr Transparenz und Innovationsdruck. Führungskräfte sind gefordert, ihre Strategien anzupassen: Effizienz und Kostenkontrolle bleiben essenziell, während zugleich Investitionen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und diversifizierte Märkte nötig sind, um gestärkt aus der Schwächephase hervorzugehen.
Executive Search Background
Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.
- CFOs weiter die volatilste Position: Die durchschnittliche Verweildauer von CFOs in deutschen Großunternehmen sinkt weiter. Der Druck durch volatile Kapitalmärkte, ESG-Reporting und Transformation wächst – CFO-Rollen gelten als besonders wechselaffin.
- Interim-CEOs auf dem Vormarsch: Immer mehr Führungskräfte übernehmen ihre Rolle zunächst interimistisch. Der Trend zu „Executive on Demand“ verstärkt sich – insbesondere bei Transformation, Turnaround oder in der Pre-M&A-Phase.
- Aufstieg statt Einstieg: Zwei Drittel der CEO-Posten in Deutschland wurden 2025 aus dem Unternehmen heraus besetzt. Gerade in unsicheren Zeiten setzen Aufsichtsräte auf Kontinuität statt externe Überraschung.
- Zwar so viele wie nie zu vor, dennoch Stagnation: Vier Frauen führen inzwischen DAX-Konzerne – so viele wie nie zuvor. Trotz einzelner Fortschritte sinkt der Anteil weiblicher Vorstände leicht. Neue Berufungen konzentrieren sich weiterhin auf klassische Stabsfunktionen, kaum auf Geschäftsführungsressorts.
- Fachkräftemangel auf Top-Ebene: Auch im C-Level-Bereich wird es schwieriger, qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Vakanzzeiten für CFO- und COO-Posten verlängern sich teils auf über sechs Monate. Entscheidungsschwäche und unklare Anforderungen sind die Hauptgründe.
- Der Mittelstand macht es vor: Der Generationswechsel nimmt Fahrt auf: Immer mehr mittelständische Unternehmen geben 2026 operativ an Nachfolger ab – oft erstmals an familienfremde Manager.
- Wenig Mut: CFOs gelten zunehmend als CEO-Nachfolger. Ihr strategisches Profil – mit Blick auf Kapitalmärkte, Transformation und Risiko – rückt stärker ins Zentrum der Unternehmensführung.
- Anspruch an Compliance, bei Vernachlässigung des Vertriebs: Vorstandsrollen in Compliance, Nachhaltigkeit und Public Affairs gewinnen an Bedeutung. Unternehmen professionalisieren diese Felder mit eigenständigen Top-Level-Positionen.
- Kein Generationenwechsel in Sicht: Der Altersdurchschnitt neu ernannter CEOs in Europa liegt bei über 57 Jahren. In Deutschland sind inzwischen fast ein Drittel der Vorstandsvorsitzenden älter als 60.