Kennzahlen des Berichtsmonats Oktober 2025 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt
Die deutsche Wirtschaft zeigt sich im Herbst 2025 widerstandsfähiger als erwartet. Nach zwei Jahren der Flaute zeichnen sich erste positive Tendenzen ab: Die Inflation ist auf 2,3 % gesunken, der Dienstleistungssektor boomt, und das BIP-Wachstum bewegt sich wieder in den positiven Bereich. Es ist eine Phase vorsichtiger Stabilisierung – getragen von Konsum, fiskalischen Impulsen und der Hoffnung auf Zinssenkungen im nächsten Jahr.
Die Binnenkonjunktur stützt sich auf moderate Lohnabschlüsse und sinkende Energiepreise. Fiskalpolitische Impulse – etwa Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung – wirken stabilisierend, wenn auch mit Verzögerung. Gleichzeitig dämpfen hohe Finanzierungskosten, Exportprobleme und Fachkräftemangel die Dynamik. Die EZB hält den Leitzins stabil, was erste Planungssicherheit schafft. Ein vorsichtiger Handels-Waffenstillstand zwischen den USA und China bringt Entlastung, doch strukturelle Rivalitäten bleiben. Neue BRICS-Allianzen, eine vorsichtige Annäherung zwischen Indien und China sowie zunehmende Entkopplungstendenzen fordern deutsche Unternehmen heraus. Gleichzeitig führen die Konflikte im Nahen Osten zu Preisschwankungen bei Öl und Rohstoffen – das Risiko globaler Schocks bleibt hoch.
Die EU reformiert ihren Stabilitäts- und Wachstumspakt und stärkt grüne Investitionen. Deutschland verabschiedet erstmals seit Langem einen investitionsgetriebenen Haushalt. Gleichzeitig wird ESG vom Reporting-Pflichtthema zum strategischen Wettbewerbsfaktor: Wer heute nachhaltig wirtschaftet, profitiert von Finanzierungsvorteilen, Kundenloyalität und attraktiver Arbeitgebermarke.
„Die größte Gefahr in turbulenten Zeiten ist nicht die Turbulenz selbst, sondern mit der Logik von gestern zu handeln.“
Peter F. Drucker (US-Ökonom)
Für Führungskräfte bedeutet die aktuelle Lage, klare Prioritäten in einem zunehmend komplexen Umfeld zu setzen – und das nicht nur operativ, sondern vor allem strategisch. Angesichts der erneuten geopolitischen Spannungen, Handelsumlenkungen und makroökonomischen Unsicherheiten stehen Unternehmen vor der Herausforderung, Handlungsfähigkeit und Anpassungstempo in Einklang zu bringen. Studien des ifo-Instituts und der OECD zeigen, dass Unternehmen, die im Jahr 2025 über robuste Diversifizierungsstrategien in Lieferketten und Absatzmärkten verfügen, bis zu 1,8 Prozentpunkte resilienter gegen externe Schocks reagieren. Auch Investitionen in Nearshoring und resilientere Versorgungspfade gewinnen weiter an Bedeutung: Der Anteil der Unternehmen mit konkreten Regionalisierungsplänen ist laut KPMG auf 43 % gestiegen – insbesondere im Maschinenbau, der Automobilzulieferung und der Medizintechnik.
Zudem ist eine zunehmende Kapitalumschichtung zu beobachten: Internationale Fonds reduzieren Engagements in Europa – allein im Oktober 2025 wurden aus deutschen Industrie-ETFs netto rund 860 Millionen Euro abgezogen. Für Führungskräfte bedeutet das nicht nur erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Finanzierungsbedingungen, sondern auch eine aktivere Kommunikation mit Stakeholdern. In einer solchen Gemengelage müssen Entscheidungsprozesse transparenter, nachvollziehbarer und datengetriebener gestaltet werden. Wer mit veralteten Steuerungssystemen und klassischen Planungstools operiert, läuft Gefahr, blind in strategische Sackgassen zu geraten. Gleichzeitig wird Resilienz immer stärker zur Führungsaufgabe: Führungspersönlichkeiten müssen Kultur, Geschwindigkeit und Risikomanagement gleichermaßen beherrschen – und in der Lage sein, ihren Kurs trotz Störfeuer glaubhaft zu erklären.
Unter dem Strich heißt das: Es braucht kein „Mehr desselben“, sondern Mut zur Fokussierung, zur kreativen Szenarioplanung und zur Neujustierung bewährter Entscheidungsroutinen – insbesondere in Zeiten, in denen sich das globale Spielfeld verschiebt. Dazu verweisen wir auch auf unseren Artikel “Why Geopolitics is a core skill for modern Executives”, veröffentlicht vor rd. einer Woche bei Forbes-online.
Bis zum nächsten Update – mit wachem Blick auf Märkte, Macht und Management. Einen erfolgreichen Tag wünschen,
Notable Changes
Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.
Neubesetzung des General Managers der Wirthwein LLC durch Kempkens x Kohler
Anderson Gomes, früher Plant Manager bei OPmobility / Plastic Omnium, steht künftig an der Spitze des Wirthwein-Standorts in Fountain Inn (SC) – ein erfahrener Manager mit klarer Handschrift für Transformation und Effizienz.
Neubesetzung des VP Sales MARC CAIN US durch Kempkens x Kohler
Joy Corson, zuvor Vice President bei Barbour, übernimmt die Vertriebsleitung des Böblinger Familienunternehmens – und verantwortet damit das Wachstum im wichtigsten internationalen Kernmarkt.
Zeljko Kaurin
rückt in den Vorstand der Atruvia AG im Ressort Digital Banking vor.
Luka Mucic
folgt zum Jahreswechsel auf Rolf Buch und wird CEO der Vonovia SE.
Rayan Tegtmeier
wird ab dem 01.10.2025 neuer CEO der Veganz Group und folgt auf den Gründer Jan Bredack.
Economy & Politics
Im Zeitraum vom 10. Oktober bis heute zeigt sich die wirtschaftliche Lage Deutschlands erneut als schwieriges Übergangsstadium – mit klaren Stabilisierungstendenzen in Teilen, jedoch weiter anhaltendem Druck von außen und strukturellen Schwächen. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im dritten Quartal 2025; vorläufige Daten weisen auf kein Wachstum gegenüber dem Vorquartal hin. Damit setzt sich die wirtschaftliche Seitwärtsbewegung fort, die seit Frühjahr anhält.
In der Binnenwirtschaft zeichnen sich immerhin leichte Erholungszeichen ab: Konsum und Dienstleistungen bleiben dank verbesserter Reallöhne und gesunkener Energiepreise stabil, während der Bau- und Dienstleistungssektor moderate Zuwächse verzeichnen. Dennoch bleibt die Dynamik schwach – die industrielle Produktion wird weiterhin von rückläufigen Auslandsaufträgen und restriktiven Handelsbedingungen belastet. Der Exportsektor, lange eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft, kämpft mit Gegenwind. Zwar legten die Warenexporte im September gegenüber dem Vormonat um rund 1,4 % zu, doch im Jahresvergleich liegen sie noch etwa 14 % im Minus. Neue US-Importzölle, eine abkühlende Weltkonjunktur und schwache Nachfrage aus China setzen den Außenhandel weiter unter Druck. Damit verliert Deutschland einen Teil seines traditionellen Wettbewerbsvorteils in den internationalen Märkten.
Die Inflation bleibt hartnäckig: Die Verbraucherpreise lagen im Oktober bei etwa 2,3 %, die Kerninflation bei rund 2,8 %. Sinkende Energiepreise entlasten zwar Haushalte und Teile des Mittelstands, doch steigende Kosten für Vorprodukte, Transport und Logistik halten den Preisauftrieb in anderen Bereichen aufrecht. Die EZB belässt den Leitzins bei 2,15 % und beobachtet die Lage abwartend. Für viele mittelständische Betriebe mit variabler Finanzierung bleibt die Kapitalbelastung damit spürbar hoch. Politisch wächst der Druck auf die Bundesregierung, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Diskutiert werden steuerliche Anreize für forschungsintensive Unternehmen, Entlastungen für energieintensive Branchen und beschleunigte Genehmigungsverfahren für Infrastruktur- und Digitalprojekte. Gleichzeitig bleibt die Schuldenbremse ein zentraler Engpass. Auf EU-Ebene intensiviert sich die Debatte um gemeinsame ESG-Standards und steuerliche Mindestregeln – ein Balanceakt zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Regulierung.
Für Führungskräfte in DAX-Konzernen und Mittelstandsunternehmen heißt das: strategische Wachsamkeit bleibt Pflicht. Planungssicherheit nimmt ab, geopolitische Risiken und regulatorische Unsicherheiten bestimmen zunehmend die Agenda. Wer jetzt erfolgreich führen will, braucht klare Prioritäten, realistische Szenarien und die Fähigkeit, flexibel auf Schocks zu reagieren. Nicht Expansion um jeden Preis, sondern Stabilität und Resilienz sind die Gebote des Spätherbsts 2025.
Executive Search Background
Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.
- Datengestützte Entscheidungen steigen:82 % der befragten CFOs in Deutschland geben an, dass ihnen heute deutlich mehr Daten zur Verfügung stehen als noch vor fünf Jahren – und 81 % sind überzeugt, dass sich dadurch die Qualität ihrer Entscheidungen verbessert hat.
- Fehlentscheidungen bleiben Thema:60 % der CFOs räumen ein, im vergangenen Jahr zumindest eine geschäftliche Entscheidung getroffen zu haben, die sich im Nachhinein als Fehler herausstellte – meist wegen unerwarteter externer Faktoren oder unzureichender Datenlage.
- Geschäftsaussichten verhalten:Laut einer Erhebung von Herbst 2025 beträgt der Indexwert für Geschäftsaussichten unter deutschen Großunternehmen nur noch +1 % – im verarbeitenden Gewerbe liegt er hingegen bei -3 %.
- Dienstleistung vs Industrie:Während die Technologiebranche einen positiven Indexwert von +33 % bei Geschäftsaussichten verzeichnet, zeigt das verarbeitende Gewerbe weiterhin eine negative Erwartungslage – ein Indikator für die wachsende Zweigeschwindigkeit der Wirtschaft.
- Globalität relevant: In Europa müssen laut einer Executive-Search-Studie 85 % der Board-Level-Neubesetzungen Erfahrungen in mehreren Märkten vorweisen – Internationalität wird zunehmend zum Standard, nicht zur Ausnahme.
- Höhere Anforderungen an den CEO:Der Anteil neu berufener CEOs mit einem Advanced Degree stieg in Deutschland 2025 auf rund 65 % – ein Zeichen dafür, dass akademische Qualifikation und Führungserfahrung stärker gewichtet werden.
- Führungsschwäche auf der Kapitalseite:Rund 21 % aller CFO-Neubesetzungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 wurden mit Interimslösungen besetzt – ein Hinweis darauf, dass Unternehmen aktuell lieber temporär besetzen, um längerfristige Besetzungen vorzubereiten.
- Nachfolgeplanung hat Priorität:61 % der deutschen Unternehmen haben 2025 strukturierte Nachfolgeprogramme für kritische Schlüsselpositionen eingeführt – ein deutlicher Anstieg gegenüber Vorjahren.
- Externe Lösungen haben Vorrang:In einer globalen Auswertung wird gezeigt, dass rund 73 % der CFO-Suchmandate 2025 externe Kandidaten verlangen – ein deutlicher Umbruch in der traditionell internen Besetzungskultur.
- Rückwärts nimmer?Erstmals seit über einem Jahrzehnt steigt der Anteil der über 60-jährigen Vorstände in deutschen Unternehmen wieder – von 9 % auf 14 %. Grund ist der Fachkräftemangel auf Top-Ebene und die wachsende Nachfrage nach Erfahrung in Krisenzeiten. Viele Aufsichtsräte holen frühere CEOs oder CFOs zurück, teils als „Interim-Stewards“ für 12–18 Monate. Das Phänomen markiert einen Kulturwandel: Erfahrung wird wieder höher bewertet als Disruption, Stabilität wichtiger als Speed.