Kennzahlen des Berichtsmonats September 2025 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt
Die Wochen vom 12. September bis 13. Oktober 2025 standen erneut im Zeichen globaler Spannungen, fragiler Partnerschaften und einer wirtschaftlichen Lage, die zwar Anzeichen von Stabilisierung zeigt, aber jederzeit ins Rutschen geraten kann. Für Führungskräfte heißt das: strategische Wachsamkeit statt Entspannung – denn „in der Krise beweist sich der Charakter“, wie Altkanzler Helmut Schmidt einst betonte.
Nachdem US-Präsident Donald Trump im Sommer mit drastischen Strafzöllen von bis zu 50 % auf indische Waren (insbesondere solche mit Bezug zu russischer Energie) eine diplomatische Eiszeit verursacht hatte, kam es Ende September überraschend zu einer Annäherung. Washington nahm die zuvor ausgesetzten Handelsgespräche mit Neu-Delhi wieder auf, nachdem Indien zugesagt hatte, verstärkt Flüssiggas und Öl aus den USA zu importieren, um amerikanische Sorgen über Indiens Russland-Geschäfte zu besänftigen. Ein erstes Teil-Handelsabkommen ist nun für den Spätherbst anvisiert – doch die Episode zeigt, wie unsicher globale Partnerschaften derzeit bleiben. Gleichzeitig flammt an anderer Front der Handelsstreit mit China wieder auf: Anfang Oktober erweiterte Peking seine Exportkontrollen auf strategische Metalle wie seltene Erden, essenziell für Hightech und Automobilproduktion, als Reaktion auf westliche Sanktionen. Trump konterte umgehend mit der Ankündigung eines 100%‐Zolls auf praktisch alle chinesischen Waren, was die Furcht vor einem neuen umfassenden Zollkrieg schürt. Unmittelbar forderte er sogar Verbündete auf, sich mit ähnlichen Schritten an China und Indien zu wenden – eine Forderung, die in Europa auf Skepsis stößt. Die EU verweigerte solche Schritte und präsentierte stattdessen ein eigenes Sanktionspaket (das inzwischen 19.) gegen Russland, um zumindest symbolisch Härte zu demonstrieren. Dieses Paket, das unter anderem den vollständigen Ausstieg aus den letzten russischen Energieimporten vorsieht, wurde von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Mitte September vorgestellt und galt teils als Signal an Washington, ohne jedoch die europäischen Handelsinteressen zu gefährden. Ob und wie dauerhaft die transatlantischen Beziehungen unter diesem Druck leiden, bleibt abzuwarten.
Zeitgleich mehren sich geopolitische Verschiebungen in Asien, die Deutschland und sein wirtschaftliches Umfeld direkt berühren. Auffällig ist die jüngste Annäherung zwischen den Rivalen China und Indien: Erstmals seit fünf Jahren wurden im September wieder Direktflüge zwischen beiden Ländern aufgenommen, begleitet von Versprechen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu intensivieren. Beobachter werten dies als direkte Folge der US-Handelspolitik, die Peking und Neu-Delhi näher zusammenrücken lässt. China sucht dadurch neue Absatzmärkte und Rohstoffquellen, um den amerikanischen Druck abzufedern, während Indien die Chance wittert, sich als alternative Produktionsdrehscheibe zur Volksrepublik zu positionieren. Auch ansonsten setzen beide Länder zunehmend auf gegenseitige Kooperation – ein bemerkenswerter Schulterschluss, der vor Kurzem noch undenkbar schien und das Machtgefüge in Asien verschiebt. Gleichzeitig umwirbt Peking europäische Unternehmen mit steuerlichen Anreizen für Investitionen in China, erhöht jedoch parallel den militärischen Druck im Südchinesischen Meer und gegenüber Taiwan. Indien seinerseits betont auf internationalen Foren wie G20 und BRICS seine strategische Autonomie und verringert schrittweise die Abhängigkeit von westlichen Importen in Schlüsselindustrien.
„In der Wirtschaft überlebt nicht der Größte, sondern der Schnellste, der sich anpasst.“
Konrad Adenauer
Die Entwicklungen in China und Indien wirken zunehmend spürbar auf die deutsche Wirtschaft – sowohl direkt über die Industrie als auch indirekt über Kapital- und Rohstoffmärkte. Für exportorientierte Unternehmen bedeutet Chinas verstärkte Eigenproduktion und sein strategischer Schulterschluss mit Indien einen strukturellen Wettbewerbsdruck: Deutsche Maschinen- und Chemieunternehmen verlieren dort Marktanteile, weil lokale Anbieter durch staatliche Subventionen und Steueranreize bevorzugt werden. Gleichzeitig steigen die Kosten für Zwischenprodukte und seltene Erden, was die Margen in der Hightech- und Automobilindustrie weiter schmälert.
Auf der Finanzseite spüren DAX-Konzerne die Kapitalverschiebung deutlich: Internationale Investoren verlagern Teile ihrer Engagements in asiatische Wachstumsmärkte, während europäische Titel an Attraktivität verlieren. Mittelständische Zulieferer sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, neue Absatzmärkte außerhalb Chinas und Indiens zu erschließen – etwa in Südostasien, Mexiko oder Osteuropa. Die geopolitische Neuordnung zwingt deutsche Unternehmen somit zu einer doppelten Anpassung: strategisch durch Diversifizierung ihrer Absatzmärkte und operativ durch Investitionen in resilientere Lieferketten. Oder, wie der Ökonom Joseph Schumpeter einst formulierte: „Stabilität ist nur ein anderer Name für Trägheit – Fortschritt entsteht aus dem schöpferischen Umbruch.“
Bis zum nächsten Update – mit wachem Blick auf Märkte, Macht und Management. Einen erfolgreichen Tag wünschen,
Notable Changes
Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.
Erweiterung des Aufsichtsrat der Wirthwein SE durch Kempkens x Kohler
Wir sind froh mit Peter Zürn (ex-CEO Würth-Group, u.a. Aufsichtsrats-vorsitzender der Sto SE) und Thomas Klofac (ex-President Aptar Pharma Consumer Healthcare) zwei absolute Industrieexperten für die Wirthwein in Creglingen gewinnen zu können.
Maike Schuh
derzeit CFO bei Evonik Industries – kündigt ihren Rücktritt an; CEO Christian Kullmann übernimmt interimistisch die Finanzverantwortung, bis ein Nachfolger berufen wird.
Mathias Miedreich
übernimmt ab Oktober 2025 den Vorsitz des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG, nachdem Holger Klein überraschend entlassen wurde.
Christian Gärtner
wird neuer CFO bei Stepstone – übernimmt ab November 2025, Nachfolge von Thorsten Otte.
Christophe Hannequin
wird ab dem 1. Oktober 2025 neuer CFO bei Schaeffler, übernimmt Verantwortung für Finanzen und IT und löst Claus Bauer ab.
Economy & Politics
Im Zeitraum von September bis Oktober 2025 zeichnet sich für Deutschland ein eher zögerlicher Übergang in das Jahresendgeschäft ab. Das Bruttoinlandsprodukt verharrt auf niedrigem Niveau: Viele Institute aktualisieren ihre Prognosen und senken das erwartete Wirtschaftswachstum für 2025 auf +0,1 % oder sogar 0 %. Eine echte Erholung bleibt damit aus. Die Binnenwirtschaft zeigt leichte Stabilisierungstendenzen:
Konsum und Dienstleistungen fungieren als Puffer, weil Entlastungseffekte durch zurückgehende Energiepreise und moderates Lohnwachstum spürbar werden. Dennoch liegt das Wachstum weiterhin auf Sparflamme, zu heterogen und anfällig für globale Schwankungen.
Der Exportsektor, lange eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft, gerät zunehmend unter Druck. Branchenverbände prognostizieren ein mögliches Minus von 3 % in den Ausfuhren bis Jahresende. Gründe sind strukturelle Herausforderungen: Der globale Nachfrageüberhang ist abgeschwächt, die Lieferkosten steigen weiter, und politische Gegenmaßnahmen wie Zölle und Exportbeschränkungen verschärfen den Wettbewerb. Besonders amerikanische und chinesische Importbarrieren treffen deutsche Lieferanten hart. Zugleich verschärft die EU ihre Regulierung: Neue Anforderungen an Transparenz, ESG-konforme Lieferketten und Exportgenehmigungen führen zu Mehraufwand und Margendruck.
Inflation und Geldpolitik bleiben unverändert schwieriges Terrain. Die Verbraucherpreisinflation pendelt nach wie vor um 2,0 % bis 2,4 %, während die Kerninflation, getragen von steigenden Dienstleistungs- und Lebensmittelpreisen, bei etwa 2,8 % bis 3,1 % angesiedelt ist. Energiepreise liegen gegenüber dem Vorjahr rund 5 % tiefer, was Haushalte entlastet. Doch der Kostendruck bleibt bestehen – ausgelöst durch importierte Vorprodukte, Währungsvolatilität und zunehmende Logistikkosten. Die EZB belässt den Leitzins bei 2,15 %, signalisiert aber, dass sie die weitere Entwicklung genau beobachte. Die Last vergangener Zinsanhebungen wirkt nach – besonders mittelständische Unternehmen mit variabel verzinslicher Finanzierung spüren die Zinsüberhänge in ihren Bilanzen.
Politisch wächst der Druck auf die Bundesregierung, konkrete Maßnahmen vorzulegen. Diskutiert werden Steueranreize speziell für forschungsintensive Unternehmen, Entlastungspakete für energieintensive Betriebe sowie schnellere Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. All das muss jedoch mit der Begrenzung durch die Schuldenbremse vereinbar bleiben. Auf EU-Ebene intensiviert sich die Debatte über gemeinsame Mindeststandards in Bereichen wie ESG, Steuerharmonisierung und nachhaltige Kapitalflüsse. Die EU-Kommission arbeitet an neuen Leitlinien, die im Jahresendspurt zur Abstimmung stehen.
Für Vorstände im DAX und im mittelständischen Mittelbau bedeutet diese Phase vor allem eins: Risikosteuerung gewinnt an Priorität. Planungssicherheit schrumpft, daher braucht es Szenariokonzepte, in denen Volatilität, außenwirtschaftliche Schocks oder regulatorische Eingriffe zu den Variablen gehören. Es ist kaum die Zeit für große Wetten – wer jetzt erfolgreich navigiert, arbeitet pragmatisch mit Hemmschwellen, Prioritäten und Flexibilität.
Executive Search Background
Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.
- CFO-Wechsel bleiben hoch:Die Fluktuationsrate unter Finanz-vorständen in DAX- und MDAX-Un-ternehmen liegt 2025 bei rund 15 % – der zweithöchste Wert der letzten Dekade. Besonders betroffen sind Industrie, Automotive und Energie.
- CEO-Tenure verkürzt sich:Die durchschnittliche Amtszeit von CEOs in deutschen Großunternehmen ist 2025 erstmals unter 5,8 Jahre gefallen – 10 % kürzer als noch 2020. Gründe: zunehmender Markt-druck, Governance-Reformen und aktivere Aufsichtsräte.
- Nachhaltigkeit als Auswahl-kriterium: In 65 % aller C-Level-Ausschreibungen ist nachweisbare ESG-Expertise mittlerweile Pflichtbestandteil des Anforderungsprofils – ein Plus von 22 Prozentpunkten gegenüber 2022.
- Führungsnachwuchs wird jünger:Der Altersdurchschnitt neu er-nannter Vorstände sank 2025 auf 49,6 Jahre. Besonders im Tech- und Finanzsektor steigt der Anteil von Führungskräften unter 45 deutlich an.
- Cross-Industry-Recruiting nimmt zu: Rund 28 % der neu berufenen CEOs kommen 2025 aus einer anderen Branche als ihrer Zielorganisation. Unternehmen setzen damit gezielt auf branchenfremde Innovationsimpulse.
- Global Mobility gewinnt wieder an Bedeutung: Nach mehreren Jahren der Zurückhaltung sind 41 % der C-Level-Kandidaten 2025 wieder zu internationalen Relocations bereit – vor allem in Richtung Schweiz, Niederlande und Skandinavien.
- Führungskräftebindung unter Druck:47 % der Unternehmen berichten 2025 von erhöhter Abwanderungsgefahr bei Top-Executives aufgrund intensiver Abwerbeversuche durch Private-Equity-Häuser und internationale Wettbewerber.
- Kulturelle Passung entscheidend: 2 % der abgelehnten C-Level-Angebote im Jahr 2025 scheitern nicht an Gehalt oder Standort, sondern an wahrgenommener „Cultural Misfit“. Soft-Factors gewinnen messbar an Bedeutung.
- Hybrid-Leadership etabliert sich: 58 % der C-Level-Führungskräfte steuern 2025 dezentralisierte Teams in hybriden Modellen – mehr als doppelt so viele wie 2021. Leadership-Performance wird zunehmend an Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit gemessen.
- Succession-Readiness-Index steigt:61 % der börsennotierten Unternehmen haben inzwischen strukturierte Nachfolgeprogramme für kritische Schlüsselrollen eingeführt – 9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Damit wird „Succession Planning“ zu einem zentralen Governance-Indikator.