Kennzahlen des Berichtsmonats August 2025 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt
Die Zeit zwischen Mitte August und Anfang September ist geprägt von globalen Spannungen, unsicheren Partnerschaften und einer volks- und betriebswirtschaftlichen Situation, die sich zwar stabilisiert, aber jederzeit ins Rutschen geraten kann. Für Managerinnen und Manager heißt das: strategische Wachsamkeit statt Entspannung.
US-Präsident Donald Trump kündigte Anfang August neue Importzölle an – unter anderem 10 % auf bestimmte Industrie- und Konsumgüter aus Indien, die nach US-Auffassung unter Verwendung russischer Energie hergestellt wurden. Geschätzt beläuft sich das Handelsvolumen auf etwa 18 Milliarden US-Dollar jährlich. Diese Zölle treffen Deutschland nicht direkt, doch Unternehmen mit Produktionsstätten in Indien oder komplexer Lieferkette sind mittelbar betroffen. Besonders exponiert sind Branchen wie Maschinenbau, Automobilzulieferung und Chemie. Die Europäische Union reagierte mit Gegenzöllen zwischen 5 % und 15 % auf ausgewählte US-Industrieprodukte, etwa Elektromotoren, Aluminiumprofile und gewisse Agrarerzeugnisse. Für deutsche Exporte bedeutet das: In gewissen Nischenmärkten USA sind kurzfristig erhebliche Wettbewerbsnachteile zu erwarten. Die Schweiz verschärfte seit Juli ihre Zollkontrollen bei bestimmten Chemikalien- und Metallimporten, insbesondere um Umgehungsgeschäften aus Drittländern vorzubeugen – eine Maßnahme, die vor allem Transit- und Re-Exportströme trifft. Wie dauerhaft die transatlantischen Beziehungen darunter leiden, bleibt abzuwarten. Zeitgleich mehren sich geopolitische Verschiebungen, die Deutschland und sein Geschäftsumfeld direkt berühren. In Asien intensivieren China und Indien ihre strategischen Allianzen (wie zuletzt auf der Shanghai Cooperation Organisation zu sehen) – Handelspartnerschaften sowie Rohstoffverträge werden neu verhandelt. Die chinesische Regierung zeigte sich bereit, deutsche Automobil- und Chemieunternehmen mit steuerlichen Anreizen zur Investition zu bewegen, gleichzeitig jedoch ihre Außenpolitik gegenüber Taiwan und im Südchinesischen Meer zu verschärfen. Indien verfolgt eine aktivere Rolle in multilateralen Foren und strebt größere Autonomie in Lieferketten an. In Osteuropa wächst mit Blick auf die Ukraine-Krise und Grenzprojekte neue Unsicherheit. Die EU verkündet überdies ihrerseits, Panzer- und Verteidigungslieferungen an die Ukraine auszuweiten. Diese Entwicklungen belasten deutsche Lieferketten, Energiepartnerschaften und Transportwege. In Nahost bleibt die Instabilität akut: Der Konflikt in Gaza verschärft sich, und neue diplomatische Initiativen zwischen Saudi-Arabien, Iran und westlichen Mächten versprechen wenig kurzfristige Lösung., insbesondere auch dadurch, dass die Geduldsfäden vieler arabischer Regierungen durch die Exekution des Hamas-Politbüros in Katar durchaus dünner werden wird. Deutschland sieht sich gezwungen, in seiner Außen- und Sicherheitspolitik klar Position zu beziehen – sowohl moralisch als auch strategisch.
Nationalökonomisch lag die Inflationsrate in Deutschland im Juli stabil bei 2,0 %, die Kerninflation bei 2,7 % – Haupttreiber sind Dienstleistungen und Lebensmittelpreise. Energiepreise fielen im Jahresvergleich um rund 5 %, was spürbare Entlastung brachte. Die Europäische Zentralbank beließ nach mehreren Zinssenkungen den Hauptrefinanzierungszins bei 2,15 % und machte deutlich, vor Herbst keine weiteren Veränderungen anzustreben. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im zweiten Quartal 2025 (+0,1 % gegenüber Vorquartal), gestützt von einer starken Inlandsnachfrage, während die Exporte um etwa 1,3 % zurückgingen. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg leicht auf 88,6 Punkte – nach wie vor unter dem langjährigen Mittel von etwa 96, doch mit erkennbar stärkerer Zuversicht.
„Die Zukunft gehört denen, die heute ihre Optionen erweitern“
John F. Kennedy (35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika)
Geopolitische Faktoren haben zusätzlich an Gewicht gewonnen: Energieversorgung bleibt durch Lieferengpässe aus dem Nahen Osten und Nordafrika sensibel; Rohstoffpreise für seltene Metalle und Vorprodukte aus Asien variieren stark. Währungsschwankungen nehmen zu – der US-Dollar gilt zunehmend als sicherer Hafen, was Exporterlöse unter Druck bringt. Unternehmen berücksichtigen in ihren Szenarien nun häufiger Faktoren wie potenzielle Handelsblockaden, Sanktionen oder Scheitern diplomatischer Abkommen. Branchen mit hoher Abhängigkeit von Energie- oder Rohstoffimporten sind Strategien zur Versorgungssicherung essenziell. Es geht um die Fähigkeit, nicht nur auf Gegenwind zu reagieren, sondern proaktiv Optionen zu schaffen, wie einst Otto von Bismarck bemerkte: „In Zeiten größter Unsicherheit ist das klügste Handeln, den Wandel zu gestalten, nicht nur abzuwarten.“
Bis zum nächsten Update – mit wachem Blick auf Märkte, Macht und Management. Einen erfolgreichen Tag wünschen,
Notable Changes
Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.
Tobias Mitter
wird zum CIO bei E.ON Energie Deutschland berufen, ab 1. September 2025 – er folgt auf Sandra Rauch, die das Unternehmen verlässt.
Dr. Bernd Metzner
CFO bei Gerresheimer AG verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum 31.08.2025 Nachfolger wird Wolf Lehmann
Holger Hohrein
Holger Hohrein CFO bei CTS Eventim AG & Co. KGaA verlässt das Unternehmen (Vertrag wird einvernehmlich nicht verlängert); die Nachfolge ist noch offen.
Felix Henseler
wird ab 1. September 2025 Chief Technology and Operations Officer (CTOO) bei Vestas Wind Systems, als Nachfolger von Anders Nielsen, der sich entschlossen hat, sich zum Ende des Jahres 2025 aus dem operativen Tagesgeschäft zurückzuziehen.
Karin Dohm
CFO bei der Automotive-Sparte der Continentale verlässt das Unternehmen überraschend, Jutta Dönges wird ihre Nachfolgerin.
Economy & Politics
Deutschland steht im September 2025 seht wirtschaftlich an einem kritischen Schnittpunkt: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stagniert im laufenden Jahr, Prognosen mehrerer Institute rechnen mit kaum mehr als +0,2 % Wachstum für 2025. Einige erwarten sogar eine leichte Schrumpfung – etwa -0,2 %. Die Binnenachfrage erweist sich als Stütze, weil sinkende Energiepreise und stabile Reallöhne Haushalte etwas Luft verschaffen, während Konsum und Dienstleistungen zumindest im Inland moderat zulegen.
Für Exporte, traditionell eine der Säulen deutscher Stärke, wird es zunehmend schwierig. Laut Handelsverband (BGA) könnten die Ausfuhren bis Jahresende um rund 2,5 % sinken. Gründe: schwache globale Nachfrage, steigende Produktions- und Logistikkosten, verstärkter Protektionismus – besonders gegenüber den USA und China. Der Handel mit den USA, einem der wichtigsten Märkte, leidet unter recenten Zollerhöhungen, die zahlreiche deutsche Hersteller stark belasten. Auch die EU-Politik reagiert: Verschärfte Exportkontrollen, neue Standards (etwa im Bereich Lieferkette und ESG) erhöhen den Aufwand und drücken Margen. Die Inflation bewegt sich weiterhin um die Marke von 2,0 % bis 2,4 %, wobei die Kerninflation, insbesondere getrieben durch Dienstleistungen und Lebensmittel, bei etwa 2,7 % bis 3,0 % verharrt. Energiepreise sind im Jahresvergleich um rund 5 % gesunken, was den Verbraucherhaushalten Entlastung bringt. Dennoch bleibt der Preisdruck spürbar, nicht zuletzt durch importierte Vorprodukte, Wechselkursschwankungen und steigende Transportkosten. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins zuletzt auf 2,15 % belassen und signalisiert, vor dem Herbst keine Änderung. Die geldpolitische Straffung der Vorperiode wirkt nach, insbesondere für Mittelständler mit höheren Schulden oder Finanzierung über variable Zinssätze. Kosten der Refinanzierung bleiben eine Herausforderung, gerade angesichts der Erwartung, dass Realzinsen langsam steigen.
Politisch bleibt die Debatte um Haushalts- und Steuerpolitik lebhaft. Die Regierung drängt auf Strukturreformen: Steuererleichterungen für Unternehmen, Entlastung bei Strom- und Energiekosten, Bürokratieabbau und beschleunigte Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Verteidigung. Gleichzeitig steht der Bundeshaushalt unter dem Zwang der Schuldenbremse, was den Handlungsspielraum begrenzt. Auf EU-Ebene steigen die Diskussionen über gemeinsame Mindeststandards – besonders im Bereich ESG, nachhaltiger Kapitalverflechtungen und grenzüberschreitender Steuerharmonisierung.
Executive Search Background
Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.
- Nachfolgeplanung im Aufwind: 57 % der DAX- und MDAX-Unternehmen haben 2025 ihre internen Talent-Pipelines für C-Level-Rollen ausgebaut. Damit reagieren sie auf steigende Wechselraten und die wachsende Gefahr von Vakanzen in Schlüsselpositionen.
- Vergütung stärker performancegebunden: In 2025 bestehen bei 39 % der CEO-Verträge mehr als 50 % der Gesamtvergütung aus variablen, erfolgsabhängigen Anteilen. Ziel ist es, Transformation und langfristige Wertsteigerung enger an die Führungsrolle zu koppeln.
- Internationalisierung der Suchprozesse: 45 % der deutschen Unternehmen beziehen inzwischen systematisch Kandidaten aus Nordamerika und Asien in ihre CEO-/CFO-Suchen ein – ein Anstieg um 12 % gegenüber 2023.
- Nachfrage nach Transformationserfahrung: 68 % der aktuellen CEO-Profile verlangen explizit nach nachweislicher Erfahrung in Unternehmens- oder Geschäftsmodelltransformationen. 2020 waren es erst 42 %.
- Kandidatenmarkt bleibt Anspruchsvoll: 62 % der befragten C-Level-Kandidaten lehnten 2025 mindestens ein Angebot ab – Hauptgründe sind mangelnde kulturelle Passung, fehlende Flexibilität und unattraktive Equity-Programme.
- Sektoraler Anstieg im Gesundheitswesen: Die CEO-Fluktuationsrate in Healthcare- und Pharmaunternehmen lag im ersten Halbjahr 2025 bei 17 % – damit deutlich über Industrie (14 %) und Finanzsektor (9 %).
- Digital & AI als Pflichtkompetenz: I73 % der neu ernannten CFOs verfügen 2025 über nachweisbare Expertise in Digital Finance, Data Analytics oder Künstlicher Intelligenz. Noch 2019 lag dieser Wert bei unter 25 %
- Ad Interim: 21 % aller CFO-Neubesetzungen im ersten Halbjahr 2025 wurden zunächst mit Interimslösungen besetzt – ein neuer Höchstwert. Gründe: verlängerte Suchzeiten und komplexere Anforderungsprofile.
- Retentionprogramme gewinnen an Bedeutung: 54 % der Unternehmen haben 2025 spezielle Bindungsprogramme für ihre C-Level-Führungskräfte eingeführt, darunter maßgeschneiderte Incentives, Aktienprogramme und Leadership-Coachings.
- Internationalisierung des Boards:Der Anteil internationaler Mitglieder in deutschen Aufsichtsräten stieg 2025 auf 37 % – ein Plus von 9 Prozentpunkten gegenüber 2020. Besonders stark wuchs der Anteil aus Nordamerika.