Kennzahlen des Berichtsmonats Juli 2025 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt
Der Hochsommer 2025 bringt für viele Menschen Ferien, Reisen und Erholung – in den Führungsetagen deutscher Unternehmen jedoch ist von Ruhe keine Spur. Die Monate Juli und August sind geprägt von handelspolitischen Spannungen, diplomatischen Manövern und einer Konjunktur, die sich zwar stabilisiert, aber weiter unter Beobachtung steht. Für Managerinnen und Manager heißt das: strategische Wachsamkeit statt Sommerpause.
US-Präsident Donald Trump hat Anfang August zusätzliche Importzölle angekündigt – unter anderem 10 % auf bestimmte Industrie- und Konsumgüter aus Indien, die nach US-Einschätzung unter Verwendung russischer Energie produziert wurden. Betroffen ist ein Handelsvolumen von schätzungsweise 18 Mrd. US-Dollar jährlich. Zwar richten sich die Zölle nicht direkt gegen Deutschland, doch europäische Unternehmen mit Produktionsstandorten in Indien oder komplexen Lieferketten könnten mittelbar getroffen werden. Besonders exponiert sind Branchen wie Maschinenbau, Automobilzulieferung und Chemie.
Auch die EU hat reagiert und für ausgewählte US-Industrieprodukte, darunter Elektromotoren, Aluminiumprofile und bestimmte Landwirtschaftserzeugnisse, Gegenzölle zwischen 5 % und 15 % beschlossen. Für Deutschland bedeutet das, dass Exportchancen in die USA in einzelnen Nischenmärkten kurzfristig schwächer ausfallen. Die Schweiz wiederum verschärft seit Juli ihre Zollkontrollen auf bestimmte Chemikalien- und Metallimporte, um sich gegen mögliche Umgehungsgeschäfte aus Drittländern zu wappnen – eine Maßnahme, die vor allem den Transit- und Reexportverkehr betrifft. Wie nachhaltig die transatlantischen Beziehungen belastet werden, wird die Zukunft zeigen.
Fast zeitgleich sorgt ein diplomatischer Vorstoß für Schlagzeilen: Trump plant ein persönliches Treffen mit Wladimir Putin am 15.08.2025 in Alaska, um über einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine zu verhandeln. Im Gespräch ist auch eine Dreier-Runde mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Ziel sei laut Trump eine „realistische Lösung“ innerhalb von 90 Tagen. Für die EU, und insbesondere Deutschland (wie aber auch für China) bedeutet dies ein mögliches Machtvakuum in den Verhandlungen – mit dem Risiko, dass europäische Interessen nur am Rande berücksichtigt werden, insbesondere sollten die USA anbieten, Russlandsanktionen aufzuheben. In dem Falle wird die EU doppelt getroffen sein: Der Handel mit den USA ist erschwert und die Sanktionen gegenüber Russland sind kraft Einstimmigkeitsprinzip in der EU kaum abbaubar.
„When goods don’t cross borders, soldiers will.“
Frederic Bastiat (frz. Ökonom)
Nationalökonomisch lag die deutsche Inflationsrate im Juli stabil bei 2,0 %, während die Kerninflation bei 2,7 % verharrte – vor allem getrieben durch steigende Dienstleistungs- und Lebensmittelpreise. Energiepreise sanken im Jahresvergleich um rund 5 %, was für leichte Entlastung sorgte. Die Europäische Zentralbank beließ nach sieben Zinssenkungen seit Juni 2024 den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 % und signalisierte, vor Herbst keine weiteren Schritte zu unternehmen.
Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im zweiten Quartal 2025 (+0,1 % gegenüber Vorquartal), getragen von einer robusten Binnennachfrage, während die Exporte um 1,3 % zurückgingen. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte leicht auf 88,6 Punkte – weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von etwa 96 Punkten, aber ein zaghafter Aufwärtstrend.
Für Führungskräfte heißt das: Neben klassischen Finanzkennzahlen müssen geopolitische Faktoren weiterhin stärker in die strategische Planung einbezogen werden. Lieferketten sollten auf Zoll- und Sanktionsrisiken getestet, Währungs- und Energierisiken aktiv gemanagt werden; proaktives Lobbying wird unerlässlich werden. In sensiblen Branchen gewinnen alternative Beschaffungsquellen und Produktionsstandorte weiter an Bedeutung. Peter Drucker hätte wohl gesagt: „In turbulenten Zeiten ist es wichtiger, die richtigen Dinge zu tun, als alle Dinge richtig zu machen.“
Bis zum nächsten Update – mit wachem Blick auf Märkte, Macht und Management. Einen erfolgreichen Tag wünschen,
Notable Changes
Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.
Christoph Jurecka
CFO bei Munich Re wird ab 2026 neuer CEO, nachdem Joachim Wenning seinen Rückzug zum Jahresende 2025 angekündigt hat (Bekanntgabe am 23. Juli 2025)
Hansjörg Müller
wird ab 1. September 2025 neuer CFO bei Tonies SE (Nachfolge für Christoph Frehsee, der bis Jahresende beratend tätig bleibt; Bekanntgabe im Juli 2025)
Jan Thielmann
wird ab Januar 2026 neuer CFO beim VfB Stuttgart und löst Tobias Keller ab (Bekanntgabe 28.07.2025)
Roland Haghjoo
CFO bei SIG Group übernimmt zusätzlich interimistisch die CEO-Funktion (Bekanntgabe im Juli 2025)
Volker Christ
Executive Vice President Volker Christ verlässt den Hersteller von Computer-Eingabegeräten zum 31.07.2025 aus familiären Gründen.
Niklas Mahler
Der CFO des Funkmastherstellers Vantage Towers, Niklas Mahler übernimmt interimistisch die Geschäftsführung von Christian Hillabrant zum 01.09.2025.
Economy & Politics
Die deutsche Wirtschaft zeigt im Hochsommer 2025 zarte Erholungsanzeichen, bleibt jedoch durch den Handelsstreit mit den USA unter Druck. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli leicht auf 88,6 Punkte und damit zum siebten Mal in Folge. Das signalisiert wachsenden Optimismus in den Führungsetagen – vor allem bei den Erwartungen. Die aktuelle Lage hingegen wird nach wie vor als schwach eingeschätzt.
Ähnlich positiv, wenn auch verhalten, fällt das Bild beim HCOB Einkaufsmanagerindex aus: Der Industrie-PMI lag im Juli bei 50,6 Punkten – erneut über der Wachstumsschwelle von 50,0. Besonders der Auftragseingang aus dem Inland legte leicht zu, während die Exportaufträge ins Nicht-EU-Ausland weiter rückläufig blieben. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im zweiten Quartal (+0,0 % gegenüber Vorquartal), nachdem es im ersten Quartal noch um 0,2 % gewachsen war. Im Jahresvergleich lag die Wirtschaftsleistung um 0,3 % niedriger. Die Inflation verharrte im Juli bei 2,0 %, die Kerninflation bei 2,7 %. Energiepreise sanken um 4,9 % gegenüber dem Vorjahr, während Lebensmittelpreise um 3,2 % zulegten. Seit Anfang Juni erhebt die US-Regierung verdoppelte Zölle auf Stahlimporte – nun 50 % statt 25 % – sowie erhöhte Abgaben von durchschnittlich 15 % auf Maschinen, Fahrzeugteile und bestimmte Chemieprodukte aus der EU. Für Deutschland besonders brisant: Die USA sind nach Frankreich und den Niederlanden der drittgrößte Exportmarkt für deutsche Industrieerzeugnisse, mit einem Volumen von rund 156 Mrd. Euro (2024). Laut ifo-Institut könnten die US-Zölle allein im Stahl- und Maschinenbau die deutsche Wirtschaftsleistung 2025 um bis zu 0,3 Prozentpunkte mindern und über 25.000 Arbeitsplätze indirekt gefährden.
Die EU hat im Juli Gegenmaßnahmen beschlossen: Gegenzölle von 5–15 % auf ausgewählte US-Produkte, darunter Elektromotoren, Aluminiumprofile und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Deutschland trifft dies vor allem in Nischenindustrien, in denen US-Hersteller starke Marktanteile haben. Große Konzerne prüfen bereits, Teile der Wertschöpfungskette in Nordamerika zu verlagern, um US-Zollbelastungen zu umgehen. Mittelständische Zulieferer hingegen sehen sich gezwungen, Preise anzuheben oder Aufträge zu reduzieren. Besonders betroffen sind exportorientierte Branchen wie Maschinenbau (Exportanteil in die USA: 12,4 %), Automobilzulieferung (8,9 %) und chemische Industrie (6,7 %). Die Bundesregierung hält an ihrem Kurs fest, die Schuldenbremse einzuhalten, gleichzeitig aber gezielt in Infrastruktur, Digitalisierung und Verteidigung zu investieren. Für die Industrie bedeutet das: keine kurzfristigen großen Konjunkturpakete, sondern punktuelle Förderung und Investitionsanreize. Auf EU-Ebene laufen parallel Verhandlungen über eine koordinierte industriepolitische Antwort auf den US-Protektionismus, inklusive Förderprogrammen für strategische Schlüsselindustrien. Deutschland steht im Spätsommer 2025 zwischen Erholung und Rückschlag. Die Binnenwirtschaft stabilisiert sich, doch externe Belastungen – vor allem der Zollkonflikt mit den USA – drohen den Aufwärtstrend zu stoppen. Entscheidend für den Herbst wird sein, ob die Industrie neue Absatzmärkte erschließen und gleichzeitig Kosten- und Produktionsketten anpassen kann.
Executive Search Background
Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.
- Time-to-Hire auf Rekordniveau: Die Besetzungsdauer für CFO- und CEO-Positionen liegt aktuell bei durchschnittlich 7,2 Monaten – rund 15 % länger als 2023. Besonders im produzierenden Gewerbe verlängern ESG- und Compliance-Anforderungen die Auswahlverfahren.
- Sektoraler Fokus verlagert sich: Im ersten Halbjahr 2025 lag die CEO-Wechselquote in der deutschen Industrie bei 14 % – deutlich höher als im Finanzsektor (9 %) und Konsumgüterbereich (7 %). Gründe sind Margendruck, Digitalisierungsrückstände und geopolitische Risiken.
- Mehr internationale Kandidaten: Rund 42 % aller C-Level-Neubesetzungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 erfolgten mit Kandidaten aus dem Ausland – vor allem aus der Schweiz, den Niederlanden und Skandinavien. Grund: Unternehmen wollen mehr globale Erfahrung und breitere kulturelle Perspektiven in ihre Führungsriegen bringen.
- Kandidatenerwartungen steigen: Flexible Arbeitsmodelle, Standortwahlfreiheit und Beteiligung am Unternehmenserfolg sind 2025 zentrale Entscheidungsfaktoren für C-Level-Kandidaten. 58 % lehnten in den vergangenen 12 Monaten ein Angebot wegen fehlender Flexibilität ab.
- Nachfolgeplanung rückt in den Fokus: 54 % der Unternehmen im DAX/MDAX haben seit Jahresbeginn ihre internen Talent-Pipelines für CEO- und CFO-Positionen ausgebaut. Treiber sind steigende Wechselraten und längere Time-to-Hire, die ohne vorbereitete interne Kandidaten zu kritischen Vakanzen führen könnten.
- Interim-Lösungen nehmen zu: Knapp 18 % der C-Level-Neubesetzungen in Q2 2025 wurden zunächst interimistisch besetzt. Besonders bei CFOs setzen Unternehmen auf Übergangslösungen, um längere Suchprozesse abzufedern und strategische Fehlbesetzungen zu vermeiden.
- ESG-Kompetenz als Muss: In 71 % der aktuellen CEO- und CFO-Stellenprofile wird explizit Erfahrung mit Nachhaltigkeitsberichterstattung und EU-Taxonomie verlangt. Noch 2022 waren es weniger als 40 %.
- Diversität gewinnt an Gewicht: Der Anteil weiblicher C-Level-Neubesetzungen in DAX/MDAX stieg im ersten Halbjahr 2025 auf 29 % – ein neuer Höchstwert. In den Shortlists internationaler Executive-Search-Firmen liegt der Frauenanteil inzwischen bei über 40 %.
- Digital-First-CEOs im Trend: 64 % der 2025 neu ernannten CEOs in deutschen börsennotierten Unternehmen verfügen über einen klaren Digital- oder IT-Hintergrund – mehr als doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Dies reflektiert den anhaltenden Druck zur digitalen Transformation.
- Vergütungspakete differenzieren stärker: 2025 setzen 37 % der Unternehmen bei C-Level-Neubesetzungen auf erfolgsabhängige Komponenten von über 50 % des Gesamtpakets – vor allem in wachstumsorientierten Branchen wie Technologie und Healthcare. Ziel ist es, Performance-Anreize enger an strategische Transformationsziele zu koppeln.