Kennzahlen des Berichtsmonats November 2025 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt
In den turbulenten Wochen zwischen Mitte November und Anfang Dezember 2025 erleben Führungskräfte ein zwiespältiges Klima: Erste Lichtblicke mischen sich mit hartnäckigem Gegenwind. Die deutsche Wirtschaft – zwei Jahre in Folge geschrumpft – zeigt zaghaft Stabilisierungstendenzen, doch von einer echten Trendwende kann noch keine Rede sein.
Bundeskanzler Friedrich Merz gibt sich zwar verhalten optimistisch und spricht im Bundestag von Anzeichen einer Erholung, obwohl „geoökonomische und geopolitische Winde rauer geworden“ sind. Doch die Zahlen mahnen zur Vorsicht: Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2025 nur etwa 0,2 % Wachstum in Deutschland, nach zwei Rezessionsjahren. Auch die Stimmung in den Chefetagen hat sich wieder eingetrübt – im November fiel der ifo-Geschäftsklimaindex überraschend auf 88,1 Punkte, ein Wert, der signalisiert, dass viele Unternehmen vorerst mit keiner schnellen Besserung rechnen. Anders gesagt: Das Schlimmste könnte überstanden sein, aber die Lage bleibt fragil und erfordert umsichtige Navigation.
“Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen”
Chinesisches Sprichwort
Gerade jetzt sollte dieses Sprichwort den Ton in den Vorstandsetagen angeben. Anstatt die kräftigen Veränderungswinde auszusitzen oder zu blockieren, gilt es für kluge Köpfe, sie konstruktiv zu nutzen. Anpassungsfähigkeit und Weitblick stehen hoch im Kurs. Ein Blick auf die Politik zeigt, warum: Die neue CDU/SPD-Bundesregierung hat mit einem finanzpolitischen Kurswechsel Tempo gemacht – zusätzliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sollen die Konjunktur ankurbeln. Ein von Merz ausgerufener „Herbst der Reformen“ sollte Bürokratie abbauen und Unternehmen entlasten. Doch Ende des Jahres fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus: Viele der versprochenen Entlastungen stecken noch in Kommissionen fest, während die Wirtschaft auf Ergebnisse wartet. „Auf einen vergeigten Reformherbst darf kein Winterschlaf folgen“, warnte ein Ökonom pointiert. Für Führungskräfte heißt das: Sie können sich nicht allein auf politische Rückenwinde verlassen. Stattdessen sind Eigeninitiative und interne Innovation gefragt, um trotz behäbiger Regulatorik handlungsfähig zu bleiben.
Auch das globale Umfeld bleibt anspruchsvoll. Der Krieg in der Ukraine dauert an – jüngste diplomatische Vorstöße Anfang Dezember brachten noch keinen Durchbruch. Diese Unsicherheit lastet weiter auf Europas Energie- und Sicherheitslage, wenn auch die akute Energiekrise abgeflaut ist und Ölpreise um 60 $ pro Barrel für etwas Entspannung sorgen. Gleichzeitig hat der Machtwechsel in den USA neue Dynamiken geschaffen: Präsident Donald Trump setzt wieder auf Konfrontation im Welthandel. Seine harte Linie gegenüber China – von Zollschranken bis zu Exportlimits für Hochtechnologie – zwingt deutsche Unternehmen zum Umdenken. Lieferketten und Absatzstrategien müssen diversifiziert werden, um nicht zwischen den Blöcken zerrieben zu werden. Hinzu kommt: Chinas Wirtschaft schwächelt. Im Herbst wuchsen Chinas Industrieproduktion und Konsum so langsam wie seit über einem Jahr nicht mehr. Das dämpft die Exportaussichten für deutsche Konzerne und den Mittelstand, die lange vom Boom in Fernost profitierten. Kurzfristig bedeutet das: Realistische Planung mit gedämpften Erwartungen und ein stärkeres Ausloten alternativer Märkte sind unumgänglich.
Neben den konjunkturellen und geopolitischen Herausforderungen bleibt der Transformationsdruck hoch. Auf der Klimakonferenz COP30 im November haben die Staaten ihre Verpflichtung bekräftigt, den 1,5°-Pfad einzuhalten – Unternehmen kommen also um Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit nicht herum. Gleichzeitig steht die deutsche Schlüsselindustrie Automobil vor schwierigen Weichenstellungen. Die Branche ringt mit den Kosten der Elektromobilität und scharfem Wettbewerb durch chinesische Hersteller. Die Absatzzahlen und Margen stehen unter Druck. Die Bundesregierung reagiert darauf mit Pragmatismus: Merz drängt in Brüssel auf Aufweichung des Verbrenner-Neuverkaufsverbots ab 2035 und kündigt Kaufprämien für Elektro- und Hybridwagen „Made in Germany“ an. Dieses Ringen zwischen Klimaschutz und Industrieinteressen verdeutlicht den schmalen Grat, auf dem C-Level-Entscheider balancieren müssen. Sie sollen Innovation und Klimaziele vorantreiben, zugleich aber die Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze sichern.
All diese Entwicklungen machen deutlich: Effektive Unternehmenssteuerung zum Jahresende 2025 erfordert einen Mix aus Umsicht und Entschlossenheit. Einerseits gilt es, in einer Phase des Nullwachstums die finanzielle Stabilität des Unternehmens zu wahren – Kosten im Blick zu behalten, Risiken absichern und sich resilient aufzustellen. Andererseits dürfen strategische Zukunftsinvestitionen nicht verschleppt werden. Wer jetzt bei Digitalisierung, KI-Anwendungen oder Mitarbeiterqualifizierung auf die Bremse tritt, könnte morgen den Anschluss verlieren. Die demografische Lage – etwa der Fachkräftemangel durch alternde Belegschaften – erzwingt ohnehin neue Effizienz und Weiterbildung. Führungskräfte sind gefordert, ihre Organisationen agil zu halten: flexibel genug, um bei plötzlichen Veränderungen Kurskorrekturen vorzunehmen, und offen für neue Geschäftsmodelle.
Letztlich zahlt sich professionelle, faktenbasierte Reflexion aus. Die aktuellen Bedingungen belohnen diejenigen, die auf widrige Umstände nicht mit Lähmung oder altem Denken reagieren, sondern mit Kreativität und Anpassungswillen. In unsicheren Zeiten wie diesen besteht die größte Gefahr darin, einfach mit der „Logik von gestern“ weiterzumachen. Erfolgreiche Executive Leader hingegen überprüfen Gewissheiten, stellen mutig Kurs und Denkmuster infrage und entwickeln proaktiv Lösungen. So lässt sich aus heftigem Gegenwind neuer Schub gewinnen – und aus Veränderungen werden am Ende tragfähige Windmühlen für nachhaltigen Unternehmenserfolg, selbst im Sturm.
Bis zum nächsten Update wünschen wir allen Lesern eine schöne vorweihnachtliche Adventszeit, Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!
Notable Changes
Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.
Dr. Lars Immisch
verlässt die Hensoldt AG auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen; ein Nachfolger sei gefunden, jedoch noch nicht kommuniziert.
Veronika Bienert
folgt als CFO auf Ralf P. Thomas; im Zuge dessen erhält Siemens Healthineers mehr Eigenständigkeit, der dortige Noch-CFO wechselt in den Aufsichtsrat.
Martino Cadoni
wird neuer CFO des Kölner Übersetzungs-/KI-Startup DeepL
Patrick Heider
wurde bei der IONOS als neuer CFO berufen; gleichzeitig wurde der Abgang der bisherigen CFO Britta Schmidt kommuniziert.
Bernhard Osburg
übernimmt im November/Dezember die Verantwortung für Güterverkehr/DB Cargo
Economy & Politics
Im Verlauf der vergangenen Wochen stabilisierte sich die deutsche Binnenwirtschaft auf niedrigem Niveau, während sich die externen Belastungen fortsetzten. Der private Konsum zeigte sich im November widerstandsfähig: Verbesserte Reallöhne und eine leicht rückläufige Inflation gaben Haushalten etwas Spielraum, was sich in konstanten Einzelhandelsumsätzen und einer leicht verbesserten Stimmung im Dienstleistungssektor widerspiegelte.
Auch im Baugewerbe setzte sich eine vorsichtige Belebung fort, getragen von öffentlichen Infrastrukturinvestitionen und frühzeitig beantragten Wohnbauförderungen vor erwarteten Kürzungen im Bundeshaushalt. Anders im industriellen Sektor: Die Produktion blieb gedämpft. Auftragseingänge aus dem Ausland entwickelten sich weiter rückläufig, besonders aus den USA und Teilen Asiens. Der Export leidet nicht nur unter den anhaltenden geopolitischen Spannungen und dem Dollar-Aufwertungsdruck, sondern auch unter neuen Zollanhebungen auf EU-Technologieprodukte, insbesondere im Maschinen- und Elektroniksegment. Entsprechend verfehlten die Exportzahlen im November erneut das Vorjahresniveau um etwa 12 %. Der Anteil an Ausfuhren in Drittstaaten außerhalb der OECD nahm leicht zu, bleibt aber volatil.
Die Inflationsdynamik blieb weitgehend stabil. Die Verbraucherpreise lagen im November bei rund 2,2 %, die Kerninflation verharrte knapp unter 2,7 %. Sinkende Preise für Strom, Heizöl und Gas gaben den Haushalten Entlastung – insbesondere nach dem milden Herbst – doch die Preisentwicklung bei Lebensmitteln, Gesundheitsdienstleistungen und Logistik bleibt angespannt. Besonders kleinere und mittlere Unternehmen berichten weiterhin von hohen Zwischenkosten. Die EZB bestätigte Anfang Dezember ihren Kurs der Zinspause bei 2,15 %, machte jedoch deutlich, dass eine Lockerung der Geldpolitik frühestens im ersten Quartal 2026 geprüft werde.
Auf fiskalischer Ebene nimmt die Debatte um wirtschaftspolitische Impulse Fahrt auf. Die Bundesregierung steht nach dem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts unter Zugzwang: Investitionsprojekte müssen priorisiert, Steuererleichterungen gezielter ausgestaltet und Förderprogramme stärker an Zukunftstechnologien gebunden werden. Gleichzeitig bleibt die Schuldenbremse eine faktische Begrenzung fiskalischer Spielräume. Auf europäischer Ebene konkretisieren sich neue ESG-Offenlegungspflichten für grenzüberschreitende Investitionen, was zusätzliche Reportinganforderungen für viele Unternehmen mit sich bringt. Für Führungskräfte in Konzernen und Mittelstand bedeutet diese Lage: Risikoabsicherung und Priorisierung gewinnen an Bedeutung. Strategien zur Kostenkontrolle reichen nicht mehr aus – gefragt sind flexible Organisationsmodelle, belastbare Szenarienplanung und ein klarer Blick für Marktveränderungen. Im Zeichen hoher Unsicherheit ist nicht die Aggressivität, sondern die strategische Konsistenz der entscheidende Erfolgsfaktor zum Jahresende 2025
Executive Search Background
Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.
- CFOs unter Druck: Die Verweildauer von Finanzvorständen in DAX-Unternehmen sinkt auf durchschnittlich 4,6 Jahre. Der CFO-Posten gilt zunehmend als Hochrisikorolle – mit deutlich mehr Wechseln als auf CEO-Ebene.
- CFO-Boom: Dennoch sind 2025 weltweit deutlich mehr CFOs als CEOs neu ernannt worden. Unternehmen suchen vermehrt hybride CFOs mit Transformations- und Digitalisierungsstärke.
- Frauenanteil im CFO-Segment steigt: Der Frauenanteil bei CFO-Neubesetzungen steigt global auf 37 %. Im DAX wurden drei von fünf neuen CFOs mit Frauen besetzt – ein Rekordwert.
- Frauen allgemein auf dem Vormarsch: Vier Frauen führen inzwischen DAX-Konzerne – so viele wie nie zuvor.
- Vorstände wieder “deutscher”: Der Anteil internationaler Vorstände sinkt auf 34 %. Gleichzeitig bleibt Ostdeutschland in Top-Positionen deutlich unterrepräsentiert.
- Interim Manager gefragter denn je: Über 80 % der CFOs sehen in Interim-Managern eine effiziente Lösung. Besonders im Mittelstand boomen temporäre Einsätze zur Überbrückung und Projektsteuerung.
- Lange Vakanzen als Risiko: Führungspositionen bleiben teils über sechs Monate unbesetzt. Unternehmen begegnen dem mit Interimslösungen und zunehmend intern vorbereiteten Nachfolgern.
- CFOs steigen auf: Zwei Drittel aller neuen CFOs stammen aus dem eigenen Unternehmen. Quereinsteiger aus anderen Branchen sind weiterhin selten.
- Zahl ungeplanter Wechsel steigt: Die Zahl der Ad-hoc gemeldeten CEO-Wechsel in DAX-Unternehmen steigt deutlich – ein Indikator für wachsende Unsicherheit und Druck in den Führungsetagen.
- Technologie & Finanz unter Druck: In den letzten zehn Jahren hatten IT- und Finanzunternehmen die meisten CEO-Wechsel. Hier ist der Veränderungsdruck besonders hoch.