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— The Executive Edge · Ausgabe 2 · Berichtszeitraum Mai 2025

Von Konjunkturflaute zur Reformflut – ein Sommer zwischen Aufbruch und Abkühlung

Die Konjunktur im Juni 2025 liefert ein widersprüchliches Bild: Einerseits ist die Inflation beinahe gebändigt – im März lag sie mit 2,2 % nahezu an der EZB-Zielmarke.

Versendet 12. Juni 2025 Lesezeit 7 Minuten Von Sebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

Kennzahlen des Berichtsmonats Mai 2025 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt

0,0 %BIP ggü. Vorquartal
2,1 %Inflation (VPI)unverändert ggü. Vormonat
2,25 %EZB-Einlagesatzunverändert ggü. Vormonat
6,2 %Arbeitslosenquote−0,1 Pp. ggü. Vormonat

Die Konjunktur im Juni 2025 liefert ein widersprüchliches Bild: Einerseits ist die Inflation beinahe gebändigt – im März lag sie mit 2,2 % nahezu an der EZB-Zielmarke. Damit endet die Hochinflations-Ära der Vorjahre und erlaubt der EZB bereits einen vorsichtigen geldpolitischen Kurswechsel: Mehrfach wurden die Leitzinsen zuletzt gesenkt, was vor Monaten noch undenkbar schien.

Andererseits bleibt die Industrieproduktion trotz eines kurzen Frühjahrsaufschwungs unter Druck. Deutschlands Exportklima hellte sich zu Jahresbeginn nur vorübergehend auf – neue US-Handelskonflikte schüren nun “außergewöhnlich hohe Unsicherheit” und ersticken Hoffnungen auf eine baldige Export-Erholung im Keim. Dennoch zeigt sich an den Finanzmärkten verhaltener Optimismus: Der DAX notierte Ende Mai mit knapp 24.000 Punkten so hoch wie lange nicht. Für CFOs und Controller beginnt zugleich eine arbeitsreiche Saison, denn erstmals sind Nachhaltigkeitsberichte (ESG) Pflicht – große Unternehmen müssen 2025 ihre Performance in Ökologie und Sozialem offenlegen. Die warme Jahreszeit bringt also nicht viel Hitzefrei für die Wirtschaft.

Während die Ökonomie schwankt, herrscht in Berlin Aufbruchstimmung. Wenige Wochen nach Amtsantritt hat die neue schwarz-rote Bundesregierung (CDU/CSU und SPD) bereits erste Pflöcke eingeschlagen: Das Kabinett verabschiedete im Mai verschärfte Migrationsregeln, begrenzte den Familiennachzug von Flüchtlingen und kassierte die Turbo-Einbürgerung für gut Integrierte. Die Koalition setzt damit ihr Motto von “geordneter Migration” zügig um. Gleichzeitig schnürt sie ein umfangreiches Reformpaket in Arbeits- und Sozialpolitik. So soll eine neue Work-and-Stay-Agentur Unternehmen den Zugang zu ausländischen Fachkräften erleichtern, der Mindestlohn bis 2026 auf 15 EUR steigen und Überstunden steuerfrei gestellt werden. Nach dem politischen Frühjahrsputz folgt nun die Feuerprobe: Die ehrgeizigen Pläne müssen sich im Alltag bewähren. Oder, wie Kurt Schumacher es treffend formulierte:

„Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit.“

Auch in den Chefetagen bleibt kein Stein auf dem anderen: Vom DAX bis zum SDAX kommt es zu prominenten Vorstandswechseln. Bei Commerzbank etwa stieg Finanzchefin Bettina Orlopp Ende 2024 zur Vorstandsvorsitzenden auf – als erste Frau an der Spitze der Traditionsbank – und übergab das Finanzressort an einen Nachfolger. Vonovia-Chef Rolf Buch verabschiedet sich nach zwölf Jahren an der Unternehmensspitze und übergibt zum Jahresende an den ehemaligen SAP-Finanzvorstand Luka Mucic. Und beim Labortechniker Sartorius steht mit Michael Grosse ab 1. Juli ein neuer CEO in den Startlöchern.

In einer Wirtschaft, die sich im permanenten Wandel befindet, ist Führung mehr denn je Gestaltungsaufgabe. „Man muss das Machbare denken, um das Undenkbare möglich zu machen“, sagte Luftfahrtpionier Ludwig Bölkow einst – ein Leitsatz, der in der heutigen C-Suite aktueller kaum sein könnte.

The Executive Edge begleitet Sie durch einen Juni, in dem die Veränderungen kein Ende nehmen – und fordert einen klaren Blick auf Märkte, Macht und Menschen.

Bis zum nächsten Monat – mit frischem Blick auf Märkte, Macht und Manager.

Einen erfolgreichen Tag wünschen,Sebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

Nota Bene: Wir freuen uns weiterhin auf viele Besucher auf unserer neuen Website. Wir freuen uns Kritik & Anmerkungen.

Notable Changes

Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.

Luka Mucic

wird neuer CEO der Vonovia SE (Nachfolger des langjährigen CEOs Rolf Buch, der sein Amt nach über 12 Jahren zum Jahresende 2025 niederlegt; Ankündigung am 6. Mai 2025)

finance-magazin.de

Karsten Wildberger

CEO der Ceconomy AG (MediaMarktSaturn) tritt zurück, um in die Bundesregierung zu wechseln; CFO Kai‑Ulrich Deissner übernimmt übergangsweise als CEO (Interimslösung ab 8. Mai 2025)

finance-magazin.de

Petra von Strombeck

gibt ihr Amt als CEO der New Work SE (Xing) mit Ablauf der Hauptversammlung am 23. Juni 2025 ab; Henning Rönneberg (bisher CFO/COO) wird als Nachfolger zum neuen CEO berufen (bekannt gegeben am 13. Mai 2025)

manager-magazin.de

Christian Gärtner

CFO der HelloFresh SE seit 2015, kündigt seinen Ausstieg an und wird spätestens zum 4. Quartal 2025 sein CFO-Amt niederlegen und das Unternehmen verlassen (Kommunikation am 3. Juni 2025)

finance-magazin.de

Karin Dohm

sollte ab 2025 als CFO der geplanten Continental-Automotive-Ausgliederung Aumovio SE fungieren, tritt jedoch vor Amtsantritt zurück (persönliche Gründe; vermeldet am 28. Mai 2025)

continental.com

Dr. Peter Sölkner

verlässt die Vetter Pharma in Ravensburg zum 31.05.2025 (auf eigenen Wunsch)

vetterpharma.com

Christian Jehle

wird zum CFO der Bechtle AG berufen (Wechsel vom Wettbewerber Computacenter; übernimmt ab 1. Jan. 2026 das Finanzressort, das bislang CEO Thomas Olemotz in Doppelfunktion führte; Ankündigung 21. Mai 2025)

finanzen.net

Dr. Axel Hamann

zum 1. Mai 2025 neuer CFO der thyssenkrupp AG (berufen als Nachfolger von Dr. Jens Schulte, der das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt)

thyssenkrupp.com

Economy & Politics

Die Vereinigten Staaten behaupteten ihre Rolle als wichtigster Absatzmarkt für deutsche Exporte. Im März 2025 wurden Waren im Wert von 14,6 Mrd. EUR in die USA geliefert – ein saisonbereinigter Zuwachs von 2,4 % gegenüber dem Vormonat. Im gesamten 1. Quartal 2025 exportierte Deutschland Güter im Wert von 41,2 Mrd. EUR in die USA, bei Importen von 23,5 Mrd. EUR.

Die Exporte übertrafen die Importe damit um fast 75 %, was einem deutschen Handelsüberschuss von 17,7 Mrd. EUR entspricht – der höchste Überschuss mit einem Einzelpartner. Dieser Wert lag sogar leicht über dem Überschuss des Vorjahresquartals (Q1 2024: +16,7 Mrd. EUR).

Diese Zahlen sind jedoch im Lichte der erneut verschärften US-Handelspolitik zu sehen. Noch vor Inkrafttreten neuer Strafzölle unter Präsident Trump war der Exportüberschuss mit den USA erheblich. Seit April 2025 gelten in den USA jedoch deutlich höhere Importzölle auf europäische Waren, die teils an frühere Maßnahmen aus Trumps erster Amtszeit anknüpfen. Deutsche Schlüsselbranchen dürften davon besonders getroffen werden: Laut ifo-Institut könnten die neuen US-Zölle das deutsche BIP 2025 um 0,3 Prozentpunkte schmälern und vor allem die Automobilindustrie sowie den Maschinenbau hart treffen.

In der bereits stagnierenden Konjunktur droht damit ein Rückfall ins Nullwachstum oder Schlimmeres. Auch die Stahlindustrie warnt vor einer „massiven Belastung“ durch die Verdoppelung der US-Zölle auf Stahlimporte auf 50 %, die am 04.06. in Kraft traten. Wirtschaftspolitisch stehen die transatlantischen Handelsbeziehungen somit im Mittelpunkt: Eine geschlossene europäische Reaktion und besonnene Verhandlungen gelten als entscheidend, um eine Spirale von Gegenmaßnahmen zu verhindern.

Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.

  • Time to Hire steigt weiter: Mindestens die Hälfte der Unternehmen braucht 3–6 Monate, um Führungspositionen zu besetzen, und 10 % kalkulieren sogar bis zu 9 Monate ein – längere Vakanzzeiten treiben Kosten und erfordern frühzeitige Suche.
  • Wechselwelle im Finanzressort: 34 % der CFOs mittelständischer Unternehmen denken über einen Jobwechsel bis Ende 2025 nach – frühzeitige Nachfolgeplanung ist daher geboten.
  • Top 3 Führungsprioritäten: Eigene Resilienz (49 %) sowie die Förderung digitaler Kompetenzen und KI-Integration (je 41 %) zählen 2025 zu den größten Herausforderungen für Führungskräfte.
  • Digitaler Transformationsdruck: 77 % der CFOs planen 2025 höhere Technologie-Budgets (47 % sogar >10 % Steigerung) – digitale Expertise und KI-Know-how zählen damit zu den gefragtesten Führungskompetenzen.
  • Branchen mit hoher Fluktuation: In Europas Technologie-, Medien- und Telekom-Branche lag die CEO-Wechselrate 2024 bei 19 % – weit höher als in Finanz- oder Konsumgütersektoren. Die Schweiz verzeichnete im Top-Index gar jeden dritten CEO-Wechsel, während Deutschland bei ca. 10 % lag.
  • Interne Nachfolge im Trend: 2024 wurden 59 % der CEO-Posten in Europas Großunternehmen intern nachbesetzt (nur 41 % extern) – vor drei Jahren lag der externe Rekrutierungsanteil noch bei 52 %, was den Shift zu internen Kandidaten unterstreicht.
  • Gebremste Gehaltszuwächse: Top-Manager-Gehälter stiegen 2024 in Deutschland durchschnittlich um nur 2,2 % statt prognostizierter 3,4 %. Mit nachlassender Inflation gleichen sich Gehaltsentwicklungen von Fach- und Führungskräften wieder an.
  • Das Ende von Diversity? Der Frauenanteil unter neu ernannten CEOs sank in Europa von 15 % (2021) auf nur noch 10 % in 2024 – in DAX/MDAX-Unternehmen gab es 2024 lediglich zwei weibliche Neubesetzungen versus sieben männliche.
  • Nachwuchsproblem in der Führung: Nur 14 % der Angestellten in Deutschland streben überhaupt noch eine Führungsrolle an – die geringe Lust auf Leadership verschärft langfristig den Wettbewerb um geeignete Executive-Talente.

— Quellen dieser Ausgabe