Newsletter  ›  Ausgabe 13

— The Executive Edge · Ausgabe 13 · Berichtszeitraum März 2026

Geopolitischer Schock und fragile Erholung

Die Lage in Deutschland steht weiter unter dem Einfluss geopolitischer Verwerfungen: Die erkennbare Stabilisierung wird durch externe Schocks gebremst.

Versendet 9. April 2026 Lesezeit 7 Minuten Von Sebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

Kennzahlen des Berichtsmonats März 2026 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt

+0,4 %BIP ggü. Vorquartal+0,1 Pp. ggü. Vorquartal
2,7 %Inflation (VPI)+0,8 Pp. ggü. Vormonat
2,0 %EZB-Einlagesatzunverändert ggü. Vormonat
6,4 %Arbeitslosenquote−0,1 Pp. ggü. Vormonat

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland leider immernoch unter dem Einfluss geopolitischer Verwerfungen. Die zunächst erkennbare Stabilisierung der Konjunktur wird durch externe Schocks – insbesondere die Eskalation im Nahen Osten – spürbar gebremst.

Der private Konsum entwickelt sich weiterhin verhalten: Zwar zeigen aktuelle Daten im März leichte Zuwächse im Einzelhandel, doch bleibt die Konsumstimmung gedämpft. Viele Haushalte reagieren sensibel auf steigende Energiepreise und zunehmende Unsicherheit, was sich insbesondere bei größeren Anschaffungen bemerkbar macht.

Im Dienstleistungssektor zeigt sich ein differenziertes Bild. Während Reise- und Tourismusanbieter saisonal profitieren, bleibt die Nachfrage in Gastronomie und stationärem Handel unter Druck. Die Konsumenten agieren weiterhin vorsichtig und preisbewusst – verstärkt durch die jüngsten Entwicklungen an den Energiemärkten. Die Bauwirtschaft verharrt in einer angespannten Lage. Trotz politischer Initiativen zur Stärkung des Wohnungsbaus bleibt die Investitionsbereitschaft gering. Hohe Baukosten, unsichere Nachfrageperspektiven und zurückhaltende Kreditvergabe führen dazu, dass viele Projekte weiterhin verschoben oder ganz aufgegeben werden. Eine nachhaltige Trendwende ist nicht in Sicht.

Im Industriesektor wird die konjunkturelle Entwicklung zunehmend von geopolitischen Risiken überlagert. Zwar stabilisierte sich die Produktion zuletzt in Schlüsselbranchen wie Maschinenbau und Automobilindustrie, doch sorgen steigende Energie- und Transportkosten erneut für Belastung. Die Eskalation im Iran-Konflikt und die damit verbundenen Risiken für globale Lieferketten – insbesondere durch Unsicherheiten im Schiffsverkehr – wirken dämpfend auf Exporterwartungen und Investitionsentscheidungen. Die Preisentwicklung hat sich im März wieder leicht beschleunigt. Nachdem die Inflation zuvor rückläufig war, führten steigende Öl- und Energiepreise zuletzt zu einem Anstieg auf etwa 2,1 % im Euroraum. Besonders betroffen sind Transport, Logistik und energieintensive Industrien. Die Kerninflation bleibt stabil, zeigt jedoch weiterhin strukturellen Preisdruck im Dienstleistungsbereich.

Die Europäische Zentralbank reagiert auf diese Entwicklung mit Vorsicht. Anfang April bestätigte sie den Leitzins bei rund 2,0 % und signalisierte eine abwartende Haltung. Die ursprünglich erwarteten Zinssenkungen könnten sich angesichts neuer Inflationsrisiken verzögern. Für Unternehmen bedeutet dies weiterhin stabile, aber nicht günstiger werdende Finanzierungsbedingungen. Die Kreditvergabe bleibt insbesondere im Mittelstand selektiv.

Auf politischer Ebene verschiebt sich der Fokus zunehmend in Richtung wirtschaftlicher Sicherheit und Resilienz. Die Bundesregierung betont im März verstärkt die Notwendigkeit, Energieversorgung, Lieferketten und kritische Infrastrukturen robuster aufzustellen. Gleichzeitig verschärft sich die Debatte über die Rolle Deutschlands in internationalen Konflikten sowie über die Abhängigkeit von globalen Märkten.

Auch auf europäischer Ebene gewinnen Fragen der strategischen Autonomie an Bedeutung. Die jüngsten Entwicklungen verdeutlichen, wie stark wirtschaftliche Stabilität von geopolitischen Faktoren beeinflusst wird. Energiepolitik, Handelspolitik und Sicherheitspolitik rücken enger zusammen. Parallel dazu entfalten regulatorische Veränderungen weiter Wirkung. Die neuen ESG-Berichtspflichten im Rahmen der CSRD fordern insbesondere mittelständische Unternehmen organisatorisch und strategisch heraus. Nachhaltigkeit, Risikomanagement und geopolitische Analyse wachsen zunehmend zusammen.

„Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist Alles nichts.”

Willy Brandt

Deutschland befindet sich damit in einer Phase erhöhter Unsicherheit, in der wirtschaftliche Erholung und geopolitische Risiken gleichzeitig wirken. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob sich die Stabilisierung fortsetzen kann – oder ob externe Schocks die fragile Erholung erneut abbremsen.

Bis zum nächsten Update wünschen wir allen Lesern eine gute ZeitSebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

Notable Changes

Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.

Andreas Voll

wird Vorstandsvorsitzender der Leica Camera AG (Wetzlar) als Chief Executive Officer (CEO). Diese Position übernimmt er zum 1. April 2026.

Photoscala vom 16.03.2026

Economy & Politics

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt zwischen März und April 2026 von einer fragilen Stabilisierung geprägt, die zunehmend durch geopolitische Spannungen überlagert wird. Der private Konsum zeigt leichte Erholungstendenzen, bleibt jedoch verhalten. Der Einzelhandel verzeichnete im März ein reales Umsatzplus von rund +0,4 % gegenüber dem Vormonat, liegt jedoch im Jahresvergleich weiterhin etwa –1,2 % unter Vorjahr.

Gleichzeitig bleibt die Sparquote der Haushalte mit etwa 11–12 % über dem Vorkrisenniveau. Steigende Reallöhne von zuletzt rund +1,5 % stabilisieren zwar die Kaufkraft, werden jedoch durch Unsicherheit und Nachholeffekte der Inflationsjahre gedämpft. Besonders im Dienstleistungssektor zeigt sich diese Zurückhaltung: Die Umsätze in Gastronomie und Freizeit liegen weiterhin rund 3–5 % unter dem Niveau von 2019, während tourismusnahe Bereiche saisonal um etwa +6 % zulegen. Konsumenten agieren selektiv und preisbewusst, insbesondere bei nicht notwendigen Ausgaben.

Die Bauwirtschaft bleibt ein strukturelles Sorgenfeld. Die Zahl der Baugenehmigungen lag im ersten Quartal 2026 weiterhin rund –18 % unter Vorjahr, im Wohnungsbau sogar bei etwa –22 %. Gleichzeitig verharren Baukosten etwa 30–35 % über dem Niveau von 2020, während sich Finanzierungskosten trotz stabilisierter Zinsen erst langsam normalisieren. Die Zahl der Fertigstellungen dürfte 2026 mit etwa 230.000–250.000 Einheiten deutlich unter dem politischen Ziel von 400.000 bleiben. Im Industriesektor setzt sich eine vorsichtige Stabilisierung fort. Die Produktion legte im März leicht um etwa +0,6 % zu, bleibt jedoch im Jahresvergleich noch rund –2,5 % im Minus. Der Auftragseingang zeigt ein gemischtes Bild: Während Bestellungen aus dem Euroraum um etwa +1,8 % steigen, bleiben Aufträge aus China und Asien um rund –4 % rückläufig. Die Kapazitätsauslastung liegt mit etwa 81 % weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 85 %.

Die Inflationsrate ist zuletzt wieder leicht gestiegen und liegt im März bei etwa 2,0–2,1 % im Euroraum, nachdem sie im Januar noch bei rund 1,7 % lag. Energiepreise zogen infolge geopolitischer Spannungen um etwa +8–10 % gegenüber Februar an, während die Kerninflation bei rund 2,2 % verharrt. Die Europäische Zentralbank hält daher den Leitzins stabil bei 2,0 %, nachdem er zuvor innerhalb von zwei Jahren von 0 % auf dieses Niveau angehoben worden war. Die Kreditvergabe an Unternehmen bleibt schwach und liegt weiterhin rund –3 % unter Vorjahr, insbesondere im Mittelstand.

Politisch rücken wirtschaftliche Resilienz und strategische Sicherheit stärker in den Fokus. Der Bundeshaushalt 2026 sieht Investitionen von über 70 Mrd. € in Infrastruktur, Digitalisierung und Energie vor, steht jedoch im Spannungsfeld der Schuldenbremse. Gleichzeitig fordert die Wirtschaft strukturelle Reformen, da Deutschland im internationalen Wettbewerbsranking zuletzt auf Platz 22–24 zurückgefallen ist. Geopolitische Spannungen – insbesondere im Nahen Osten – erhöhen die Unsicherheit deutlich. Der Ölpreis stieg zwischen Mitte März und Anfang April zeitweise auf über 95–100 US-Dollar pro Barrel, während europäische Gaspreise kurzfristig um rund +15–20 % anzogen. Für die deutsche Industrie bedeutet dies erneut steigende Inputkosten, insbesondere in energieintensiven Sektoren wie Chemie, Metall und Logistik.

Auch regulatorisch steigt der Anpassungsdruck: Mit der Einführung der erweiterten ESG-Berichtspflichten (CSRD) sind nun schrittweise rund 15.000 Unternehmen in Deutschland betroffen. Viele Mittelständler müssen erstmals umfassende Nachhaltigkeitsdaten erfassen und berichten, was zusätzlichen organisatorischen Aufwand verursacht.

Deutschland befindet sich damit im Frühjahr 2026 in einer Phase zwischen Stabilisierung und neuer Unsicherheit. Die wirtschaftliche Erholung bleibt mit erwarteten Wachstumsraten von lediglich 0,3–0,5 % für 2026 verhalten, während geopolitische Risiken und strukturelle Herausforderungen gleichzeitig an Gewicht gewinnen. Entscheidend wird sein, ob Investitionen, Reformen und eine Stabilisierung der Energiepreise ausreichend Impulse setzen, um die wirtschaftliche Dynamik nachhaltig zu stärken.

Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.

  • CMOs werden zu Chief Growth Officer: In vielen Unternehmen verschmelzen Marketing, Vertrieb und Innovation unter der neuen Rolle des Chief Growth Officer. Der Fokus liegt stärker auf Wachstumsverantwortung statt reinem Markenmanagement.
  • Nachfolgeplanung wird zur Pflichtaufgabe des Vorstandes: Regulatorische Anforderungen und Investoren fordern immer häufiger dokumentierte, robuste Nachfolgeprozesse auf C-Level. Besonders DAX-Unternehmen berichten erstmals aktiv darüber in Geschäftsberichten.
  • Kandidaten mit AI-Governance Kompetenz im Vorteil: Unternehmen verlangen bei C-Level-Suchmandaten zunehmend nach Kenntnissen in AI-Ethik, Regulierung und Governance. Besonders bei CIO-, COO- und CEO-Rollen wird dies zum Differenzierungsmerkmal.
  • Boom bei C-Level Coaching Programmen: Angesichts hoher Wechselraten und wachsender Komplexität steigt die Nachfrage nach Executive Coachings – nicht als Notlösung, sondern strategisch integriert in die Einarbeitung und Performance-Entwicklung.
  • CxOs ohne Social Media Präsenz gelten als rückständig: Weitere Personalberatungen berichten, dass eine aktive, professionell gepflegte Präsenz auf LinkedIn & Co. mittlerweile als implizite Anforderung bei C-Level-Kandidaten gilt – Sichtbarkeit wird zur Führungsaufgabe
  • Verlagerung der Verantwortung für Transformation: In Konzernen verlagert sich die Verantwortung für Transformation zunehmend auf dedizierte Chief Transformation Officers, losgelöst vom operativen Tagesgeschäft. Diese Rolle gewinnt strategisch an Bedeutung.
  • Frauenquote im Mittelstand stagniert: In größeren Familienunternehmen bleibt der Anteil weiblicher Führungskräfte auf Top-Ebene seit Februar stabil bei rund 32 %. Ein Rückschritt bleibt aus – aber auch ein Fortschritt.
  • Mehr Mandate in kritischen Infrastrukturen: Aufgrund regulatorischer Anforderungen und Sicherheitsbedenken steigt die Zahl von Top-Suchmandaten in Energie, Verkehr und Gesundheitswesen. Gesucht sind CxOs mit Public-Sector-Kompetenz und Resilienzprofil.
  • Wertebasierte Führung als Einstellungskriterium: Immer mehr Unternehmen verlangen in Auswahlprozessen einen dokumentierten Wertekodex oder Leadership-Kompass der Kandidaten. Authentizität und Haltung werden systematisch evaluiert.
  • Auslandseinsatz wird zum Karrierebooster: Nach Jahren pandemiebedingter Zurückhaltung zählt Auslandserfahrung wieder zu den wichtigsten Karriere-Bausteinen. Vor allem APAC-Erfahrung wird 2026 in Suchmandaten wieder deutlich aufgewertet.

— Quellen dieser Ausgabe

  • Photoscala vom 16.03.2026 (photoscala.de)
  • Kennzahlen: Statistisches Bundesamt (VPI), Bundesagentur für Arbeit (Arbeitslosenquote), EZB Data Portal (Einlagesatz), Eurostat namq_10_gdp (BIP) — nachträglich ergänzt, nicht Teil der versendeten Ausgabe