Kennzahlen dieser Ausgabe · Stand 7. September 2026, Quellen je Kachel hinterlegt
Der Sommer 2026 hat der deutschen Wirtschaft gemischte Signale beschert. Für die Besetzung von Führungspositionen bedeutet dieses Umfeld vor allem eines: Profile werden präziser, Entscheidungswege länger — und die Frage, wer eine Organisation durch Unsicherheit führen kann, wichtiger als jede Lebenslauf-Symmetrie.
In eigener Sache: Die monatliche Personalienliste, die Sie an dieser Stelle gewohnt waren, hat ausgedient. Führungswechsel im Monatsrhythmus zu berichten, ist zu langsam für einen Markt, der in Wochen entscheidet. Wir haben deshalb vier Market-Intelligence-Tools auf unsere Website gestellt — allen voran den Leadership-Change-Tracker, der genau das tut, was diese Rubrik tat, nur werktäglich und in Echtzeit.
Damit haben wir das gesamte Format umgebaut: weniger Chronik, dafür mehr Einordnung. Ob diese Rechnung für Sie aufgeht, wissen wir nicht ohne Sie. Schreiben Sie uns, was Ihnen fehlt und was Sie streichen würden.
— Neu · Live-Tool
Wer übernimmt gerade Verantwortung?
Neu bestellte Geschäftsführer, Vorstände und C-Level-Führungskräfte im deutschsprachigen Raum — aus Handelsregisterbekanntmachungen und geprüften Personalien-Quellen, werktäglich aktualisiert.
Zum TrackerKonjunktur: besser als gemeldet, aber ohne Zugkraft
Das Statistische Bundesamt hat die Wirtschaftsleistung für das zweite Quartal 2026 nach oben revidiert: Das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP stieg um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal — 0,1 Prozentpunkte mehr als in der Schnellmeldung vom 30. Juli. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Export: 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als im Vorquartal. Im EU-Durchschnitt fiel das Wachstum mit 0,5 Prozent allerdings weiterhin stärker aus.
Deutlich besser als erwartet fiel auch das ifo-Geschäftsklima aus: Es kletterte im August von 86,7 auf 88,8 Punkte, getragen von Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bau gleichermaßen. Die Auftragslage in der Industrie bleibt gleichwohl schwach.
Preise und Geldpolitik: die EZB im Straffungsmodus
Die Inflationsrate lag im August nach vorläufigen Berechnungen bei +2,9 Prozent. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie betrug 2,4 Prozent. Treiber ist erneut die Energie: +10,5 Prozent im Jahresvergleich, nach +8,3 Prozent im Juli.
| EZB-Leitzinsen · Stand 7. September 2026 | Satz |
|---|---|
| Einlagesatz (richtungsweisend) | 2,25 % |
| Hauptrefinanzierungssatz | 2,40 % |
| Spitzenrefinanzierungssatz | 2,65 % |
Beim Zinsentscheid erwarten Märkte und Ökonomen mehrheitlich eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte — und damit den Abschluss des kürzesten Zinserhöhungszyklus der EZB seit 2011. Für Unternehmen heißt das: Finanzierungskosten bleiben auf erhöhtem Niveau.
Arbeitsmarkt: kaum Dynamik in der Sommerpause
| Arbeitsmarkt August 2026 | Wert | ggü. Vorjahr |
|---|---|---|
| Arbeitslose | 3.061.000 | +36.000 |
| Arbeitslosenquote | 6,5 % | +0,1 Pp. |
| SV-pfl. Beschäftigte (Juni) | 34,81 Mio. | −73.000 |
| Gemeldete Arbeitsstellen | 656.000 | +25.000 |
Bemerkenswert ist die Divergenz: Die Beschäftigung schrumpft, die Zahl der gemeldeten Stellen steigt leicht. Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf spezifische Profile, während breite Einstellungswellen ausbleiben.
Executive Search: Volumen sinkt, Relevanz steigt
Zwischen April 2025 und März 2026 haben 39 Vorstandsmitglieder DAX-Unternehmen verlassen — zehn mehr als im Vorjahreszeitraum, knapp die Hälfte davon außerplanmäßig. Besonders volatil bleibt das Finanzressort.
Die Auftragslage hat sich strukturell verschoben, nicht eingebrochen. Was wegfällt, sind Mandate ohne unmittelbaren strategischen Impact. Was bleibt, sind Positionen, bei denen Unternehmen nicht zögern dürfen — Nachbesetzungen in der Restrukturierung, Schlüsselrollen in der Transformation.
Rund die Hälfte aller geplatzten Erstangebote geht auf Absagen der Kandidatinnen und Kandidaten zurück — nicht auf Entscheidungen der Kundenseite. Kandidatenmanagement ist damit keine Begleitdisziplin mehr, sondern Kernleistung.
Der Engpass liegt 2026 seltener beim Sourcing als bei der Entscheidung. Wer eine Schlüsselposition besetzen will, sollte vorab drei Dinge geklärt haben: ein konsistentes Anforderungsprofil, einen benannten Kreis von Stakeholdern und einen verbindlichen Feedback-Rhythmus. Time to Hire ist heute weniger ein Recruiting- als ein Governance-Problem.