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— The Executive Edge · Ausgabe 18 · Berichtszeitraum August 2026

Live-Tools statt Monatsliste

Das Bruttoinlandsprodukt wurde nach oben revidiert, das ifo-Geschäftsklima sprang deutlich — doch der Arbeitsmarkt bleibt zäh und die EZB ist erstmals seit drei Jahren im Straffungsmodus.

Veröffentlicht 7. September 2026 Lesezeit 8 Minuten Von Sebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

Kennzahlen dieser Ausgabe · Stand 7. September 2026, Quellen je Kachel hinterlegt

Der Sommer 2026 hat der deutschen Wirtschaft gemischte Signale beschert. Für die Besetzung von Führungspositionen bedeutet dieses Umfeld vor allem eines: Profile werden präziser, Entscheidungswege länger — und die Frage, wer eine Organisation durch Unsicherheit führen kann, wichtiger als jede Lebenslauf-Symmetrie.

In eigener Sache: Die monatliche Personalienliste, die Sie an dieser Stelle gewohnt waren, hat ausgedient. Führungswechsel im Monatsrhythmus zu berichten, ist zu langsam für einen Markt, der in Wochen entscheidet. Wir haben deshalb vier Market-Intelligence-Tools auf unsere Website gestellt — allen voran den Leadership-Change-Tracker, der genau das tut, was diese Rubrik tat, nur werktäglich und in Echtzeit.

Damit haben wir das gesamte Format umgebaut: weniger Chronik, dafür mehr Einordnung. Ob diese Rechnung für Sie aufgeht, wissen wir nicht ohne Sie. Schreiben Sie uns, was Ihnen fehlt und was Sie streichen würden.

— Neu · Live-Tool

Wer übernimmt gerade Verantwortung?

Neu bestellte Geschäftsführer, Vorstände und C-Level-Führungskräfte im deutschsprachigen Raum — aus Handelsregisterbekanntmachungen und geprüften Personalien-Quellen, werktäglich aktualisiert.

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Konjunktur: besser als gemeldet, aber ohne Zugkraft

Das Statistische Bundesamt hat die Wirtschaftsleistung für das zweite Quartal 2026 nach oben revidiert: Das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP stieg um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal — 0,1 Prozentpunkte mehr als in der Schnellmeldung vom 30. Juli. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Export: 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als im Vorquartal. Im EU-Durchschnitt fiel das Wachstum mit 0,5 Prozent allerdings weiterhin stärker aus.

Deutlich besser als erwartet fiel auch das ifo-Geschäftsklima aus: Es kletterte im August von 86,7 auf 88,8 Punkte, getragen von Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bau gleichermaßen. Die Auftragslage in der Industrie bleibt gleichwohl schwach.

Preise und Geldpolitik: die EZB im Straffungsmodus

Die Inflationsrate lag im August nach vorläufigen Berechnungen bei +2,9 Prozent. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie betrug 2,4 Prozent. Treiber ist erneut die Energie: +10,5 Prozent im Jahresvergleich, nach +8,3 Prozent im Juli.

EZB-Leitzinsen · Stand 7. September 2026Satz
Einlagesatz (richtungsweisend)2,25 %
Hauptrefinanzierungssatz2,40 %
Spitzenrefinanzierungssatz2,65 %
— Termin: 10. September 2026

Beim Zinsentscheid erwarten Märkte und Ökonomen mehrheitlich eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte — und damit den Abschluss des kürzesten Zinserhöhungszyklus der EZB seit 2011. Für Unternehmen heißt das: Finanzierungskosten bleiben auf erhöhtem Niveau.

Arbeitsmarkt: kaum Dynamik in der Sommerpause

Arbeitsmarkt August 2026Wertggü. Vorjahr
Arbeitslose3.061.000+36.000
Arbeitslosenquote6,5 %+0,1 Pp.
SV-pfl. Beschäftigte (Juni)34,81 Mio.−73.000
Gemeldete Arbeitsstellen656.000+25.000

Bemerkenswert ist die Divergenz: Die Beschäftigung schrumpft, die Zahl der gemeldeten Stellen steigt leicht. Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf spezifische Profile, während breite Einstellungswellen ausbleiben.

Zwischen April 2025 und März 2026 haben 39 Vorstandsmitglieder DAX-Unternehmen verlassen — zehn mehr als im Vorjahreszeitraum, knapp die Hälfte davon außerplanmäßig. Besonders volatil bleibt das Finanzressort.

Die Auftragslage hat sich strukturell verschoben, nicht eingebrochen. Was wegfällt, sind Mandate ohne unmittelbaren strategischen Impact. Was bleibt, sind Positionen, bei denen Unternehmen nicht zögern dürfen — Nachbesetzungen in der Restrukturierung, Schlüsselrollen in der Transformation.

— Zahl mit Signalwirkung

Rund die Hälfte aller geplatzten Erstangebote geht auf Absagen der Kandidatinnen und Kandidaten zurück — nicht auf Entscheidungen der Kundenseite. Kandidatenmanagement ist damit keine Begleitdisziplin mehr, sondern Kernleistung.

— Unsere Empfehlung für das vierte Quartal

Der Engpass liegt 2026 seltener beim Sourcing als bei der Entscheidung. Wer eine Schlüsselposition besetzen will, sollte vorab drei Dinge geklärt haben: ein konsistentes Anforderungsprofil, einen benannten Kreis von Stakeholdern und einen verbindlichen Feedback-Rhythmus. Time to Hire ist heute weniger ein Recruiting- als ein Governance-Problem.

Herzliche Grüße Sebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

— Quellen dieser Ausgabe

  • Statistisches Bundesamt, PM 303 vom 21.08.2026 (BIP 2. Quartal 2026)
  • Statistisches Bundesamt, PM 311 vom 28.08.2026 (Inflationsrate August)
  • Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 31 vom 28.08.2026
  • ifo Institut, Geschäftsklimaindex vom 25.08.2026
  • Europäische Zentralbank, Leitzinsen Stand 07.09.2026
  • Personalwirtschaft, Round Table Executive Search 2026
  • Börsen-Zeitung, Fluktuation bei CEOs und CFOs
  • Kempkens × Kohler, Leadership-Change-Tracker DACH