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— The Executive Edge · Ausgabe 15 · Berichtszeitraum Mai 2026

Zwischen vorsichtiger Erholung und wachsendem Reformdruck

Die deutsche Wirtschaft wirkt wie ein Team, das die schwierigste Phase des Spiels überstanden hat, ohne bereits die Kontrolle übernommen zu haben.

Versendet 11. Juni 2026 Lesezeit 11 Minuten Von Sebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

Kennzahlen des Berichtsmonats Mai 2026 · amtliche Werte (Destatis, BA, EZB, Eurostat), nachträglich ergänzt

+0,3 %BIP ggü. Vorquartal−0,1 Pp. ggü. Vorquartal
2,6 %Inflation (VPI)−0,3 Pp. ggü. Vormonat
2,0 %EZB-Einlagesatzunverändert ggü. Vormonat
6,3 %Arbeitslosenquote−0,1 Pp. ggü. Vormonat

Die deutsche Wirtschaft wirkt derzeit wie ein Team, das die schwierigste Phase eines Spiels überstanden hat, ohne bereits die Kontrolle übernommen zu haben. Die unmittelbaren Krisensymptome der vergangenen Jahre – Energiepreisschocks, Lieferketten-probleme und Inflationswellen – sind deutlich abgeklungen.

Dennoch bleibt das Gefühl bestehen, dass die eigentlichen Herausforderungen erst noch bevorstehen. Zwar mehren sich die Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung. Die Inflation hat sich normalisiert, die Reallöhne steigen wieder und die Industrie zeigt erste Erholungstendenzen. Doch diese Entwicklung entfaltet bislang kaum jene Dynamik, die für einen nachhaltigen Aufschwung notwendig wäre. Unternehmen investieren zurückhaltend, Verbraucher bleiben vorsichtig, und insbesondere der Wohnungsbau verharrt in einer tiefen strukturellen Krise. Gleichzeitig hat sich die wirtschaftspolitische Debatte spürbar verändert. Während in den vergangenen Jahren vor allem Krisenmanagement dominierte, rücken nun wieder die grundlegenden Fragen der Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt. Wie attraktiv ist Deutschland als Investitionsstandort? Wie lassen sich Infrastruktur, Digitalisierung und Innovation beschleunigen? Und wie kann der Staat gleichzeitig investieren, modernisieren und seine finanzpolitischen Spielräume sichern?

Die neue Bundesregierung steht dabei weiterhin vor einem anspruchsvollen Spagat. Einerseits wächst der Druck, durch Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur, Energieversorgung und Digitalisierung neue Wachstumsimpulse zu setzen. Andererseits verschärfen sich die Diskussionen über Staatsverschuldung, Bürokratieabbau und die langfristige Finanzierbarkeit dieser Vorhaben. Viele Unternehmen nehmen die politische Lage daher ambivalent wahr: Der Wille zur Modernisierung ist sichtbar, die Umsetzungsgeschwindigkeit bleibt jedoch häufig hinter den Erwartungen zurück.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei den großen Zukunftsthemen. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und industrielle Transformation werden längst nicht mehr als technologische Trends betrachtet, sondern als entscheidende Faktoren für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Europas. Gleichzeitig wächst weltweit der geopolitische Druck. Die Vereinigten Staaten setzen auf massive Industrieprogramme, China investiert weiterhin strategisch in Schlüsseltechnologien, und Europa sucht seinen Platz zwischen wirtschaftlicher Offenheit und strategischer Eigenständigkeit.

Vor diesem Hintergrund verändert sich auch die Wahrnehmung des Arbeitsmarktes. Der Fachkräftemangel bleibt bestehen, doch zunehmend rücken Fragen nach Produktivität, Qualifizierung und technologischem Wandel in den Vordergrund. Unternehmen suchen nicht nur neue Mitarbeiter, sondern neue Wege, Arbeit effizienter zu organisieren und Wertschöpfung neu zu gestalten.

Deutschland befindet sich damit in einer Übergangsphase. Die Wirtschaft hat den Krisenmodus verlassen, aber noch keinen neuen Wachstumspfad gefunden. Vieles spricht dafür, dass die kommenden Jahre weniger von kurzfristigen Konjunkturimpulsen als von langfristigen Strukturentscheidungen geprägt sein werden. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, wie die letzte Krise bewältigt wird, sondern wie die nächste wirtschaftliche Erfolgsphase gestaltet werden kann.

“Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!”

Jürgen Klopp

Passend dazu richtet sich der Blick dieser Tage auch auf die beginnende Fußball-Weltmeisterschaft. Kaum ein anderes Ereignis verdeutlicht besser, dass Erfolg selten durch einzelne Momente entsteht, sondern durch Vorbereitung, Anpassungsfähigkeit und das Zusammenspiel vieler Faktoren. Oder wie Sepp Herberger es formulierte:

“Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“

Ein Satz, der derzeit nicht nur für den Fußball gilt, sondern ebenso für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Bis zum nächsten Update wünschen wir allen Lesern eine spannende Weltmeisterschaft und verweisen abschließend auf die Prognose des deutschen Ökonomen Joachim Klement, der die letzten drei Weltmeister alle trefflich voraussagte und für die WM in den USA in diesem Jahr überraschenderweise die Niederlande prognostizierte. Viel Spaß beim Lesen!

Herzliche GrüßeSebastian Kohler & Dr. Oliver Kempkens

Notable Changes

Wechsel in den Chefetagen im Berichtszeitraum.

Rene Obermann

wurde in den Aufsichtsrat der SAP gewählt und soll 2027 Aufsichtsratsvorsitzender werden und damit auf Pekka Ala-Pietilä folgen.

Handelsblatt vom 05.05.2026

Camilo Eugenio

wird CEO der FRANKEN BRUNNEN Gruppe und folgt auf Frank Höhler. Die Berufung eines externen Managers an die Spitze einer der größten deutschen Getränkegruppen signalisiert den zunehmenden Trend zur Professionalisierung familiengeführter Unternehmen.

Familienunternehmen.eu vom 10.05.2026

Christian Reiter

wird CEO von Uhlmann Pac-Systeme und bildet gemeinsam mit CFO Alexander Schöllhorn eine neue Doppelspitze. Der Pharma-Verpackungsspezialist reagiert damit auf steigende Internationalisierung und regulatorische Anforderungen im Life-Science-Sektor.

werden in den Vorstand der OECHSLER AG berufen. Der Kunststoff- und Medizintechnik-Spezialist richtet seine Führungsstruktur stärker entlang der Kundensegmente Health und Automotive aus. Besonders bemerkenswert ist die Förderung zweier operativer Geschäftsbereichsleiter in den Vorstand.

wird CEO der Nagel-Group. Die Berufung ist besonders relevant für die Logistikbranche, da die Nagel-Group zu den größten europäischen Lebensmittellogistikern zählt und aktuell umfangreiche Digitalisierungs- und Effizienzprogramme umsetzt.

Familienunternehmen.eu vom 10.05.2026 · F elix Hess und Matthias Weißkopf · Familienunternehmen.eu vom 08.05.2026 · L ars-Erik Poths · wirmagazin vom 03.06.2026

Economy & Politics

Die deutsche Wirtschaft befand sich im Zeitraum vom 15. Mai bis 9. Juni 2026 weiterhin in einer Phase vorsichtiger Stabilisierung. Nach zwei Jahren nahezu stagnierender Wirtschaftsleistung verdichteten sich zwar die Hinweise auf eine konjunkturelle Bodenbildung, von einer selbsttragenden Erholung konnte jedoch weiterhin keine Rede sein.

Das Bruttoinlandsprodukt war im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um rund 0,3 % gewachsen, nachdem Deutschland 2024 und 2025 nur minimale Wachstumsraten beziehungsweise zeitweise Rückgänge verzeichnet hatte. Die wirtschaftliche Dynamik blieb jedoch schwach, da sowohl private als auch unternehmerische Investitionen weiterhin unter den Unsicherheiten hinsichtlich Energiepreisen, geopolitischer Entwicklungen und der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland litten.

Der private Konsum entwickelte sich moderat positiv und stellte weiterhin die wichtigste Stütze der Binnenwirtschaft dar. Die Tariflöhne lagen im Frühjahr 2026 durchschnittlich rund 4 % über dem Vorjahresniveau, während die Verbraucherpreise lediglich um etwa 2,5 bis 2,7 % zunahmen. Dadurch ergaben sich reale Einkommenszuwächse von rund 1,5 bis 2 %. Gleichzeitig blieb die Sparquote der privaten Haushalte mit knapp 11 % weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von etwa 9 %. Viele Verbraucher nutzten die höheren verfügbaren Einkommen daher nicht unmittelbar für zusätzlichen Konsum, sondern bevorzugten weiterhin finanzielle Rücklagen. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Mai nominal um rund 0,8 % gegenüber dem Vormonat, real lag das Wachstum jedoch lediglich bei etwa 0,2 %. Besonders stark blieb die Zurückhaltung bei langlebigen Konsumgütern wie Möbeln, Haushaltsgeräten oder Fahrzeugen. Dagegen entwickelten sich Ausgaben für Reisen, Freizeitaktivitäten und Dienstleistungen vergleichsweise robust. Im Dienstleistungssektor zeigte sich insgesamt ein stabileres Bild als in der Industrie. Die Frühjahrs- und beginnende Sommersaison sorgte insbesondere im Tourismus, im Hotelgewerbe und bei Freizeitdienstleistungen für steigende Umsätze. Die Zahl der Übernachtungen lag zuletzt etwa 3 bis 4 % über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig blieben viele Unternehmen der Gastronomie und des stationären Einzelhandels unter Druck. Die Personalkosten waren seit 2022 um teilweise mehr als 15 % gestiegen, während höhere Energie- und Mietkosten die Gewinnmargen zusätzlich belasteten. Viele mittelständische Betriebe reagierten weiterhin mit Preisanpassungen, Personaloptimierungen und Investitionen in digitale Prozesse. Die Bauwirtschaft blieb auch Ende Mai und Anfang Juni 2026 der schwächste Bereich der deutschen Volkswirtschaft. Die Zahl der Baugenehmigungen lag weiterhin rund 18 bis 22 % unter dem Niveau des Vorjahres. Besonders ausgeprägt war der Rückgang im Wohnungsbau, wo einzelne Regionen sogar Rückgänge von mehr als 25 % verzeichneten. Die Baupreise lagen weiterhin etwa 28 bis 32 % über dem Niveau des Jahres 2020. Gleichzeitig bewegten sich die Hypothekenzinsen trotz der Entspannung gegenüber den Höchstständen von 2023 weiterhin im Bereich von etwa 3,2 bis 3,8 %. Viele Projekte blieben dadurch wirtschaftlich schwer darstellbar. Für das Gesamtjahr 2026 wurden lediglich rund 220.000 bis 240.000 Wohnungsfertigstellungen erwartet, deutlich weniger als das politische Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr. Dies verschärfte gleichzeitig den bestehenden Wohnungsmangel in vielen Ballungsräumen. Im Industriesektor setzte sich die Stabilisierung auf niedrigem Niveau fort. Die Industrieproduktion erhöhte sich zuletzt um rund 0,5 % gegenüber dem Vormonat, lag jedoch weiterhin etwa 1 bis 2 % unter dem Vorjahreswert. Die Auftragseingänge entwickelten sich volatil. Während exportorientierte Unternehmen von einer leicht verbesserten Nachfrage aus Frankreich, Spanien und Teilen Osteuropas profitierten, blieb die Nachfrage aus China hinter früheren Erwartungen zurück. Besonders der Maschinenbau und Teile der Automobilindustrie verzeichneten wieder steigende Auftragseingänge. Die Kapazitätsauslastung der Industrie lag mit rund 81 % jedoch weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von etwa 85 %. Viele Unternehmen konzentrierten sich deshalb auf Effizienzprogramme und Automatisierungsmaßnahmen statt auf umfangreiche Kapazitätserweiterungen. Die deutsche Automobilindustrie befand sich weiterhin in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen lag inzwischen bei rund 22 %, während Hybridfahrzeuge weitere etwa 18 % erreichten. Gleichzeitig verschärfte sich der internationale Wettbewerb insbesondere durch chinesische Hersteller, die ihren Marktanteil in Europa kontinuierlich ausbauten. Die deutschen Hersteller investierten weiterhin Milliardenbeträge in Elektromobilität, Batterietechnologie und Softwareentwicklung, während gleichzeitig der Kostendruck in den bestehenden Produktionsstrukturen zunahm.

Die Inflationsentwicklung hatte sich gegenüber den Krisenjahren 2022 und 2023 deutlich beruhigt, zeigte jedoch seit Mai wieder leichte Aufwärtsrisiken. Die Verbraucherpreise im Euroraum lagen zuletzt bei etwa 2,7 bis 3,0 %, nachdem sie Anfang des Jahres zeitweise nahe der Zielmarke von 2 % gelegen hatten. Hauptursache waren erneut steigende Energiepreise. Der Ölpreis der Sorte Brent bewegte sich Anfang Juni zeitweise wieder oberhalb von 75 bis 80 US-Dollar je Barrel. Die Kerninflation blieb mit etwa 2,4 bis 2,6 % relativ stabil. In Deutschland lag die Gesamtinflation zuletzt bei rund 2,6 %. Dienstleistungen, Versicherungen, Transportkosten und Energie stellten die wichtigsten Preistreiber dar. Die Europäische Zentralbank hielt ihren Einlagenzins weiterhin bei rund 2,0 %. Nach mehreren Zinssenkungen im Verlauf des Jahres 2025 hatte sich die Geldpolitik inzwischen auf einen Kurs der Stabilität eingestellt. Die Kapitalmarktzinsen bewegten sich entsprechend auf moderatem Niveau. Für Unternehmen verbesserten sich dadurch die Finanzierungsmöglichkeiten langsam. Dennoch blieb die Kreditvergabe insbesondere im Mittelstand verhalten. Viele Unternehmen konzentrierten sich weiterhin auf Liquiditätssicherung, Kostenkontrolle und den Abbau von Verschuldung statt auf expansive Investitionen. Die Kreditnachfrage deutscher Unternehmen lag weiterhin deutlich unter den Durchschnittswerten der Jahre vor 2020.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich insgesamt robust, verlor jedoch zunehmend an Dynamik. Die Zahl der Arbeitslosen lag Anfang Juni bei rund 3,05 Millionen Personen, was einer Arbeitslosenquote von etwa 6,3 % entsprach. Gleichzeitig blieb die Zahl der Erwerbstätigen mit knapp 46 Millionen Menschen nahe ihrem historischen Höchststand. Die Beschäftigungszuwächse konzentrierten sich zunehmend auf öffentliche Dienstleistungen, Gesundheitswesen und Bildung, während Industrie und Bauwirtschaft teilweise Stellen abbauten. Der Fachkräftemangel blieb trotz der konjunkturellen Schwäche ein zentrales Problem. Besonders betroffen waren technische Berufe, Pflegeberufe, Handwerk, IT sowie Ingenieurwesen. Nach Schätzungen fehlten weiterhin mehr als 500.000 qualifizierte Fachkräfte am deutschen Arbeitsmarkt.

Auch strukturell stand die deutsche Wirtschaft weiterhin unter erheblichem Anpassungsdruck. Die Strompreise für industrielle Großverbraucher lagen trotz zwischenzeitlicher Entspannung noch immer deutlich über dem Niveau vieler internationaler Wettbewerber. Gleichzeitig belasteten hohe Bürokratiekosten, langwierige Genehmigungsverfahren und ein zunehmender regulatorischer Aufwand die Investitionsbereitschaft. Hinzu kamen die Herausforderungen durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Automatisierung sowie die Umsetzung neuer ESG- und Nachhaltigkeitsanforderungen. Viele Unternehmen investierten daher verstärkt in Prozessdigitalisierung, Automatisierung und datenbasierte Geschäftsmodelle, um ihre Produktivität zu erhöhen und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

Insgesamt zeigte sich die deutsche Wirtschaft zwischen Mitte Mai und Anfang Juni 2026 damit stabiler als in den beiden Vorjahren, jedoch weiterhin ohne klare Wachstumsdynamik. Die positiven Effekte steigender Reallöhne, sinkender Finanzierungskosten und einer moderaten Erholung der Industrie wurden weiterhin durch strukturelle Belastungen, schwache Investitionen und anhaltende Unsicherheiten auf den internationalen Märkten begrenzt. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob sich aus der aktuellen Stabilisierung eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung entwickeln kann oder ob Deutschland in einer Phase anhaltender Stagnation verharrt.

Was die Lage für Besetzungen auf Führungsebene bedeutet.

  • KI-Kompetenz wird zum neuen Bord-Kriterium: Aufsichtsräte und Investoren erwarten zunehmend, dass CEOs, CIOs und Geschäftsführungen praktische Erfahrung mit Künstlicher Intelligenz vorweisen können. In zahlreichen Suchmandaten werden Kandidaten inzwischen danach bewertet, ob sie KI-Transformationen bereits operativ umgesetzt haben. Besonders in Industrie, Finanzdienstleistungen und Healthcare gilt KI-Kompetenz zunehmend als strategische Führungsqualifikation und nicht mehr als reine Technologiefähigkeit.
  • Nachfrage nach Transformations-CEO steigt: Unternehmen suchen verstärkt Führungskräfte, die bereits Restrukturierungen, Turnarounds oder digitale Transformationen erfolgreich umgesetzt haben. In vielen CEO- und COO-Mandaten stehen nachweisbare Veränderungserfolge inzwischen vor klassischer Branchenerfahrung. Besonders im deutschen Mittelstand gewinnen Führungskräfte mit Erfahrung in Effizienzprogrammen, Reorganisationen und M&A-Integration an Bedeutung.
  • Geopolitische Erfahrung als zentraler Wettbewerbsvorteil: Die zunehmenden Unsicherheiten in globalen Lieferketten sowie Handelskonflikte führen dazu, dass internationale Management-erfahrung stärker gewichtet wird. Executive Search Berater berichten von einer wachsenden Nachfrage nach Kandidaten, die komplexe geopolitische Risiken bereits aktiv gesteuert haben. Besonders Erfahrung in China, Indien, Nordamerika und Osteuropa wird zunehmend nachgefragt.
  • CFO-Suchen verlagern sich in Richtung auf Wertschöpfung: Die Rolle des CFO entwickelt sich weiter vom klassischen Finanzverantwortlichen zum strategischen Geschäftspartner. Unternehmen suchen verstärkt Finanzvorstände mit Erfahrung in Performance Management, Digitalisierung, ESG-Steuerung und Kapitalmarkt-kommunikation. In vielen Suchmandaten wird operative Transformation inzwischen höher bewertet als reine Bilanzierungs- oder Controlling-Expertise.
  • ESG-Kompetenz verpragmatisiert sich: Während Nachhaltigkeit weiterhin Bestandteil vieler Suchmandate bleibt, verschiebt sich der Fokus von reiner Compliance hin zu wirtschaftlicher Umsetzung. Unternehmen bevorzugen Führungskräfte, die Nachhaltigkeitsziele mit Profitabilität, Effizienz und Wachstum verbinden können. Besonders in Industrie- und Private-Equity-Portfolios wird ESG zunehmend als Wertschöpfungs-hebel statt als regulatorische Pflicht verstanden.
  • Private-Equity nimmt zu: Die Zahl der Suchmandate aus dem Private-Equity-Umfeld bleibt auf hohem Niveau. Gesucht werden Führungskräfte mit Erfahrung in Buyand-Build-Strategien, Carveouts, Integration sowie EBITDA-Optimierung. Executive-Search-Häuser berichten, dass PE-Investoren deutlich kürzere Besetzungszeiten und messbare Performance-Historien verlangen als klassische Industrieunternehmen.
  • Internationalität auf dem Vormarsch:Aufgrund des anhaltenden Fach- und Führungskräftemangels öffnen sich viele deutsche Unternehmen stärker für internationale Kandidaten. Executive Search Mandate werden zunehmend europaweit oder global aufgesetzt. Insbesondere Führungskräfte aus den Benelux-Staaten, Skandinavien, Großbritannien und Nordamerika erscheinen häufiger auf Shortlists für deutsche C-Level-Positionen.
  • Leadership-Assessments werden Daten getriebener: Moderne Executive-Search-Prozesse integrieren verstärkt psychometrische Analysen, Leadership-Assessments und datenbasierte Potenzialbewertungen. Neben Lebenslauf und Referenzen gewinnen Faktoren wie Veränderungsfähigkeit, Resilienz, Entscheidungsverhalten und kulturelle Passung an Bedeutung. Viele internationale Suchmandate enthalten mittlerweile strukturierte Management-Assessments als festen Bestandteil des Auswahlprozesses.
  • Nachfolgeplanung als Crux: Viele Unternehmen intensivieren ihre langfristige Nachfolgeplanung auf Vorstandsebene. Hintergrund ist die zunehmende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation sowie die hohe Unsicherheit in den Märkten. Aufsichtsräte verlangen häufiger belastbare Nachfolgepools für Schlüsselpositionen, wodurch Executive Search stärker mit Leadership Advisory und Talent Mapping verschmilzt.
  • Deutschland wird irrelevanter: In mehreren europäischen Executive-Search-Studien aus dem Frühjahr 2026 werden hohe Regulierungskosten, langsame Genehmigungsverfahren und vergleichsweise hohe Steuer- und Abgabenlasten als Standortnachteile genannt. Internationale Spitzenkräfte bevorzugen zunehmend Standorte wie die Schweiz, die Niederlande oder die USA. Executive Search Berater berichten deshalb von steigenden Anforderungen an Vergütungspakete und Flexibilitäts-modelle bei Besetzungen in Deutschland.

— Quellen dieser Ausgabe